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AIDS-Forschung Schwierige Suche nach HIV-Impfstoff

Forscher der Harvard-Universität haben Affen mit einem HIV-Impfstoff behandelt, der sie vor einer AIDS-Erkrankung schützt. Jetzt wird der Impfstoff an gesunden Menschen getestet. Ergebnisse werden 2022 erwartet. Die Suche nach einem Impfstoff gestaltet sich schwierig.

Stand: 30.11.2021

HI-Virus - Ansteckung mit Aids | Bild: picture-alliance/dpa/Bruce Coleman/Photoshot.

HI-Viren mutieren schnell und erzeugen ein breites Spektrum an Virus-Stämmen. Die Oberfläche von HI-Viren besteht zu fünfzig Prozent aus Zucker. Das menschliche Immunsystem kann sehr schlecht gegen Zuckermoleküle Immunantworten generieren. Außerdem versteckt das HI-Virus sich im Immunsystem selber. Das alles macht es schwer, einen umfassenden Impfschutz gegen HIV zu entwickeln.

HIV-Impfstoff nach dem "Mosaik-Prinzip"

Ein Impfstoff gegen HIV ist schwer zu entwickeln, weil sich das Virus schnell verändert und viele Varianten aufweist.

Ein Impfstoff gegen die Immunschwächekrankheit AIDS muss gegen mehrere HIV-Typen immun machen, um wirksam zu sein. In dem Stoff, den Harvard-Forscher 2018 entwickelt haben, wurden Bestandteile verschiedener HI-Viren kombiniert, weshalb sie von einem Impfstoff nach "Mosaik-Prinzip" sprechen.

HI-Virus seit 35 Jahren bekannt

Am Institut Pasteur in Paris wurde das HI-Virus zum ersten Mal unter dem Mikroskop ausfindig gemacht und isoliert.

Das HI-Virus wurde 1983 zum ersten Mal von Luc Montagnier und Françoise Barré-Sinoussi vom Institut Pasteur in Paris beschrieben. Seitdem bemühen sich Forscher darum, einen Impfstoff gegen die Immunschwächekrankheit AIDS zu entwickeln, was bisher nicht gelungen ist. Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit etwa 37 Millionen Menschen mit HIV infiziert oder leben bereits mit AIDS.

Bisher waren fünf HIV-Impfstoffe vielversprechend

Bis heute haben es nur fünf HIV-Impfstoffe für Menschen geschafft, bis in die letzte Studienphase zu kommen. Ihre Wirksamkeit hat sich dann als zu gering erwiesen, sodass keine dieser möglichen Impfungen für den Markt weiterentwickelt wurde.

Ein Corona-Impfstoff ist leichter zu finden

Die Entwicklung von möglichen Impfstoffen gegen eine HIV-Infektion war bisher nicht von Erfolg gekrönt. Im Unterschied zum Coronavirus ändert sich das HI-Virus sehr schnell, was die Impfstoffentwicklung so schwer macht.

"Schon in vier bis sechs Wochen entwickeln sich in einem einzigen HIV-Infizierten mehr Varianten als beim Coronavirus weltweit in einem ganzen Jahr. Zum anderen kann man beim Coronavirus Antikörper wie Sticker auf den Schlüssel des Virus für die Zelle 'kleben', um das Eindringen zu verhindern. Dagegen sind bei HIV die Oberflächenproteine auf den Viren gut versteckt."

Josef Eberle vom Max von Pettenkofer-Institut für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie in München

72 Affen durch HIV-Impfung immun

Rhesus-Affen bekamen den neu entwickelten Impfstoff und zeigten sich gegenüber dem HI-Virus weitgehend immun.

2018 haben US-Forscher der Harvard Universität in Boston in einer Laborstudie zeigen können, dass ein Impfstoff bei Tieren guten Schutz bietet. 72 Rhesusaffen wurden damit behandelt und bekamen einen HI-ähnlichen Virus injiziert. Der Impfstoff hat in Affen im ersten Versuch eine sehr hohe Effektivität von über 66 Prozent gezeigt. Der Impfstoff wurde verbessert und er zeigt jetzt über 94 Prozent Effektivität im Affen.

HIV-Impf-Studie an Menschen

Nach dem Tierversuch spritzte man auch 393 gesunden Erwachsenen im Alter zwischen 18 bis 50 Jahren aus Ostafrika, Südafrika, Thailand und den USA den neu entwickelten Wirkstoff gegen HIV. Ein Teil der Gruppe bekam ein Placebo. Das Testmedikament habe "starke Immunreaktionen bei den Menschen ausgelöst", sagte Dan Barouch, Virologe und Impfexperte an der Harvard Universität in Boston.

Mögliche HIV-Impfung tritt in die nächste Phase

Der beste Weg, AIDS einzudämmen, ist nach Meinung vieler Experten, eine HIV-Imfpung zu entwickeln.

Da die Nebenwirkungen gering waren und nur fünf Teilnehmer über Schwindel, Magenschmerzen oder Durchfall klagten, darf die Forschung zum möglichen HI-Impfstoff in die nächste Phase gehen: Die Impfung soll beginnend im dritten Quartal 2019 2.600 Frauen in Südafrika verabreicht werden, die gesund, aber gefährdet sind, sich mit HIV anzustecken. Dann wird sich zeigen, ob der Impfstoff tatsächlich AIDS vorbeugen kann. Ergebnisse der Studie werden 2022 erwartet.


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