ARD alpha Uni Mathematiker an einem Forschungsinstitut

Author: Christian Wurzer

Published at: 6-3-2023

Mathematiker:innen können die Welt zum Besseren verändern: Als Mathematiker am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsinformatik hilft Tobias Kunden aus der Industrie Prozesse in der Verfahrenstechnik energieeffizienter und umweltverträglicher zu gestalten.

Tobias, Mathematiker am Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsinformatik  | Bild: Max Hirschfeld | BR

Voraussetzungen für den Beruf als Mathematikerin oder Mathematiker

Mathematikerinnen und Mathematiker, die in Wirtschaft, Industrie, Forschung oder im Öffentlichen Dienst arbeiten, haben Mathematik an einer Hochschule oder Universität studiert und mindestens mit einem Bachelor of Science (B.Sc.) abgeschlossen. Mathematikerinnen und Mathematikerinnen, die in leitenden Positionen arbeiten, haben ihr Mathematikstudium oft mit dem Master of Science (M.Sc.) abgeschlossen.

Die meisten von ihnen haben sich schon während des Studiums auf eines der großen Fachgebiete spezialisiert, in denen Mathematiker:innen hauptsächlich beschäftigt werden. Fachgebiete an den Universitäten und Hochschulen sind zum Beispiel diese:

  • Mathematik
  • Wirtschaftsmathematik
  • Technomathematik
  • Finanz- und Versicherungsmathematik
  • Mathematics in Operations Research
  • Mathematics in Science and Engineering
  • Mathematics in Data Science
  • Computational modeling and simulation
  • Mathematik für Lehramt

Mathematikerinnen und Mathematiker vor allem in Leitungsfunktionen in der Industrie, der Wirtschaft, der Wissenschaft und im Öffentlichem Dienst haben oft auch promoviert.

Mathematik macht komplizierte Dinge einfach!

Tobias, Mathematiker am Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsinformatik (FIT) | Bild: Max Hirschfeld | BR

"Mein Studium hat mich eigentlich sehr gut auf meinen Job vorbereitet. Das Mathematikstudium ist natürlich erst mal sehr theoretisch. Aber mit Mathematik kann man ganz, ganz viele Sachen machen, weil in ganz vielen Dingen Mathematik drinsteckt. Das reicht von Softwareentwicklung und Unternehmensberatung, der Mathematik in der Versicherungsbranche oder eben hierher, also als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Deswegen ist ein Mathe-Studium eigentlich etwas, das einen in der Berufswahl sehr flexibel macht. Man lernt in abstrakten Strukturen zu denken und zu arbeiten. Und das hilft mir bei meinem Job. Ich übertrage erst mal die sehr komplizierten Probleme in meine abstrakte Welt. Dort kann ich einfache Lösungen finden und dann übertragen wir sie wieder zurück in die Praxis. Es ist daher wichtig, dass man während des Studiums schon schaut, dass man praktische Fähigkeiten erlangt, ganz konkret. Ich habe Informatik als Nebenfach gehabt und habe so gelernt zu programmieren, in verschiedenen Programmiersprachen."

Tobias, Mathematiker am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik

Welche Skills brauchst du?

  • Abstraktes, mit Mathematik verknüpftes Denken
  • Wirtschaftliches Denken
  • Analyse- und Assoziationsvermögen
  • Teamfähigkeit
  • Belastungsfähigkeit
  • Fachenglisch (Niveau B2 aufwärts empfohlen)
  • Lust an Mathematik kombiniert mit etwas „Basteltrieb“

Branchen, Chancen und mögliche Berufe für Mathematiker:innen

Mathematikerinnen und Mathematiker mit einem Bachelorabschluss haben grundsätzlich sehr gute Berufsaussichten, denn sie fehlen überall. Der Einstieg vor allem in die „Traumbranche“, sei es in Wirtschaft, Wissenschaft oder im Öffentlichem Dienst funktioniert noch besser mit einem Masterstudium. Denn dann hast du dich bereits im Studium spezialisiert. Dazu wachsen auch deine Möglichkeiten, leichter auch in leitende Positionen aufzusteigen. Ebenfalls förderlich ist eine gute Kombination mit deinem Nebenstudienfach. Tobias hat in seinem Masterstudiengang Informatik als Nebenfach gewählt und hat so das Programmieren gelernt und arbeitet daher heute an einer Schnittstelle zwischen Mathematik und Softwareentwicklung.

Mögliche Berufe für Mathematiker:innen sind zum Beispiel:

  • Entwicklungsingenieur:in im Bereich Elektrik/Elektronik
  • Mathematiker:in in der Unternehmensberatung
  • Statistiker:in
  • Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen beim Bundesamt für Materialforschung und -prüfung
  • Wirtschaftsmathematiker:in für Kapitalanlagen
  • Mathematiker:in in der Softwareentwicklung
  • IT Security Consultant
  • Consultant Data Analyst
  • Senior Consultant Versicherungen
  • Mathematiker:in im Bereich Risk & Actuarial
  • Referent:in Obsoleszenzmanagement
  • Betreuer:in Praxisprojekt Elektrotechnik Mathematik-Labor
  • Wirtschaftsmathematiker:in im Bereich Betriebliche Altersvorsorge
  • Mathematiker:in für Programmierung und Customizing an einem Klinikum
  • Lehrer:in für Mathematik

Diese Aufstellung enthält nur einige Arbeitsfelder und vermittelt nur einen kleinen Eindruck über Berufe und Positionen, die man mit einem abgeschlossenen Mathematik-Studium ausfüllen kann. Dafür haben wir für euch in Stellenanzeigen geblättert. Denn sucht man eine Übersicht mit möglichen Berufen für Mathematiker:innen, wird das tatsächlich schwierig, weil das Beschäftigungsfeld für Mathematiker:innen so breit aufgestellt ist.

Lehrerinnen und Lehrer für Mathematik werden für alle Schultypen händeringend gesucht

Mathematiker und Mathematikerinnen, die in den Schuldienst gehen wollen, ist das Lehramtsstudium für Mathematik empfohlen, weil darin die notwendigen didaktischen und pädagogischen Grundkenntnisse für den Schul- und Lehralltag vermittelt werden.

Unter Mathematiker:innen herrscht Vollbeschäftigung

Arbeitslose Mathematiker:innen gibt es nach unseren Recherchen praktisch nicht. Das hört man immer wieder von der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV), dem Verband, der sich für die Belange von Mathematiker:innen in Gesellschaft, Schule, Hochschule und Bildungspolitik einsetzt.

Nach Einschätzungen der Deutschen Mathematiker-Vereinigung (DMV) gibt es sowohl in der Wissenschaft, insbesondere für die Datenaufbereitung und Datenanalyse, der Logistikbranche im Bereich Prozessoptimierung, der Softwareindustrie und in der Versicherungsbranche, hier besonders in der Risikobewertung im Zusammenhang mit dem Klimawandel, einen steigenden Bedarf an Mathematiker:innen.
Nur im Finanz- und Bankensektor ist die Nachfrage nach Mathematiker:innen etwas zurückgegangen.

Nur im Finanz- und Bankensektor ist die Nachfrage nach Mathematiker:innen etwas zurückgegangen.

Mathematiker:innen mit Doppelqualifikation sind noch gsuchter

Angehende Mathematiker:innen können sich bereits während des Studiums im Bachelorstudium und im Masterstudium vertieft spezialisieren. Die Vertiefungsfächer, auch die Nebenfächer, sollte man also mit Bedacht wählen. Die Hochschulen und Universitäten bieten dazu persönliche Beratungen an. Viele Unternehmen sind an Doppel-Qualifikationen interessiert wie zum Beispiel Mathematik und Marketing, Mathematik und Datenanalyse, Mathematik und Versicherungsmanagement, Mathematik und Informatik oder Mathematik und Logistik. Drum gilt bei der Studienplatzwahl: Gut informieren - Nicht jede Hochschule oder Universität bietet alle Fächerkombinationen an!

Gehalt Mathematiker und Mathematikerinnen verdienen gut

Mathematiker:innen mit einfachem Bachelorabschluss und damit ohne eine vertiefende Spezialisierung verdienen zwischen 4768 EUR brutto und 6700 EUR brutto. Das ist auch von der Branche und der Größe des Unternehmens abhängig, wo du beschäftigt bist.
Spezialisierte Mathematiker:innen, meist also mit Master-Abschluss, liegen in ihren Verdienstchancen zwischen 4919 EUR Brutto und 6700 EUR brutto und mehr im Monat. Mathematiker:innen in leitenden Positionen können auch mehr verdienen.
Quelle: Bundesagentur für Arbeit

Mathematiker:innen im Schuldienst fallen aus dieser Gehaltseinschätzung heraus. Sie werden nach den bundeslandspezifischen Tarifen für Lehrer:innen, abhängig vom Schultyp, mit A12 oder A13 bezahlt.

Mit Mathematik lässt sich Kompliziertes oft sehr einfach erklären

Tobias, Mathematiker am Fraunhofer Institut für Techno- und Wirtschaftsinformatik (FIT) | Bild: Max Hirschfeld | BR

"In der Schule denkt man manchmal, man rechnet nur in der Mathematik. Aber im Studium habe ich eigentlich nie mehr zwei Zahlen zusammenaddiert, sondern man denkt nur noch in einer eigentlich abstrakten Welt, die man sich selbst ein bisschen aufbaut. Und oft sind doch sehr komplizierte Probleme in diesen abstrakten Strukturen deutlich einfacher. Mein Studium hat mir sehr geholfen und hat mich gut vorbereitet auf meinen Job."

Tobias, Mathematiker am Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik