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Der (zweite) größte Vollmond des Jahres Super-Vollmond am 13. Juli 2022

Am 13. Juli strahlt der größte Vollmond des Jahres vom Abendhimmel - in vielen Schlagzeilen ein "Supermond". Wir erklären, wie riesig er wirklich ist, wieso es in diesem Jahr zwei Supermonde gibt und warum der Vollmond überhaupt mal größer, mal kleiner ist.

Von: Anja Bühling und Heike Westram

Stand: 07.07.2022

Supermond über der Ruine der Trimburg im fränkischen Saaletal | Bild: Alexander Preyer

"Nur" rund 357.400 Kilometer ist der Vollmond abends am 13. Juli 2022 von der Erde entfernt, fast 30.000 Kilometer näher als im Durchschnitt. Denn der Mond ändert seinen Abstand zur Erde laufend: Seine Bahn um die Erde ist nicht kreisrund, sondern leicht elliptisch. Daher ist er der Erde mal näher, mal ferner und am Firmament entsprechend mal größer, mal kleiner.

Vollmond in Erdnähe größer und vor allem heller

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Im Mittel ist der Mond 384.400 Kilometer von der Erde entfernt und erscheint am Firmament als Scheibchen mit einem scheinbaren Durchmesser von 31,1 Bogenminuten - etwa einem Viertel Fingerbreit an Ihrem ausgestreckten Arm. Alle vier Wochen erreicht er auf seiner elliptischen Bahn das Perigäum, den erdnächsten Punkt.

Erdnähe und Erdferne der elliptischen Mondbahn

Am erdnächsten Punkt ist die Mondscheibe manchmal über zwei Bogenminuten größer - im Extremfall sieben Prozent mehr im Durchmesser. Zwei Wochen darauf erreicht der Mond den entferntesten Punkt, das Apogäum, und wird um etwa zwei Bogenminuten kleiner als im Schnitt - bis zu sieben Prozent weniger. Am 13. Juli wird unser Mond abends einen scheinbaren Durchmesser von 33,4 Bogenminuten erreichen.

Genaue Zeiten und Entfernungen des Vollmonds am 13. Juli

Der Vollmond am 27. April 2021

Genau genommen ist der Mond abends am 13. Juli schon gar nicht mehr an seinem erdnächsten Punkt, dem Perigäum. Das erreicht er bereits vormittags um elf Uhr. Dann ist er genau 357.263,7 Kilometer von der Erde entfernt. Wenn er abends um 21.39 Uhr aufgeht (Zeit für München), hat er sich bereits wieder um etwa 200 Kilometer von uns entfernt. Merken werden Sie das aber nicht.

Größenunterschied nicht wahrnehmbar

Größter und kleinster Vollmond in direktem Vergleich

Dieses "Super" vom Supervollmond können Sie nicht sehen. Der Unterschied zwischen dem größtmöglichen und dem kleinstmöglichen Vollmond - 14 Prozent im Durchmesser - entspricht etwa dem Unterschied zwischen einer 1-Euro-Münze und einer 2-Euro-Münze. Das könnte man deutlich wahrnehmen - wenn beide Monde nebeneinander am Abendhimmel stünden. Ohne den direkten Vergleich ist fürs bloße Auge die Größe der Mondscheibe nicht einschätzbar. Ob wir den Mond als besonders groß empfinden, wird weniger von seiner tatsächlichen Größe beeinflusst, sondern eher von Faktoren wie der Horizontnähe und der dadurch hervorgerufenen Mondtäuschung.

Ein Super-Vollmond ist deutlich heller

Was Sie vielleicht wahrnehmen, wenn Sie nicht gerade in der Stadt leben: Ein Supermond ist deutlich heller! Bis zu dreißig Prozent mehr Licht kommt von einem erdnahen Vollmond als von einem erdfernen bei uns an. Weil er im Durchmesser um 14 Prozent größer ist, ist seine Fläche um fast dreißig Prozent größer - und entsprechend heller ist er. Aber am ehesten ist die Wirkung eines nahen Vollmondes indirekt zu spüren: bei den Gezeiten.

Je näher, desto anziehender

Je näher der Mond, desto höher ist auch seine Anziehungskraft. Wenn der Mond der Erde so nahe kommt, kann das auch zu Springfluten führen. Und die Anziehungskraft des Mondes bewegt auf der Erde das Wasser - die Gezeitenkraft.

Starke Gezeitenkräfte verformen die Erde

Als Springflut oder Springtide bezeichnet man eine besonders hohe Flut und eine besonders niedrige Ebbe. Etwa alle 14 Tage – bei Vollmond und Neumond – stehen Mond, Erde und Sonne in einer Linie. Dann ist auch die Anziehungskraft des Mondes stärker. Das Hochwasser läuft dann einige Zentimeter höher auf als normal, das Niedrigwasser etwas niedriger. Normalerweise ist eine solche Springtide eher unauffällig. An Meerengen und Flussmündungen kann sie deutlich zu spüren sein, oder wenn auflandiger Wind den Wasserstand noch erhöht.

Auch die Erdkruste wird durch die Gezeitenkräfte etwas verformt, allerdings nicht so stark, dass es dadurch zu Erdbeben kommen könnte.

Vollmond in Erdnähe ist keine Seltenheit

Alle 27,55 Tage erreicht der Mond sein Perigäum, alle 29,53 Tage ist Vollmond - einmal alle 13,6 Monate ist der Vollmond zugleich auch in Erdnähe. Von einem Supermond zum nächsten vergeht also nur etwas über ein Jahr. Und auch der Vollmond im Monat davor und danach ist überdurchschnittlich groß, da er jeweils relativ nahe zur Erde ist.

Der erste größte Vollmond war schon im Juni

Der Juli-Vollmond ist der zweite größte Vollmond des Jahres, denn am 14. Juni gab es bereits einen ersten "Supermond". Der war zwar zum Perigäum ein kleines bisschen weiter entfernt - 170 Kilometer -, das aber am Abend, als er sichtbar am Himmel stand. Der Juli-Vollmond dagegen hat abends seinen erdnächsten Punkt schon hinter sich gelassen. Im Moment seiner größten Erdnähe um elf Uhr vormittags ist er tatsächlich um zwei Bogensekunden größer, als der Juni-Supermond war. Am Abendhimmel ist er dann aber "nur" noch so groß und hell, wie schon der Vollmond im Juni war.

Manch ein "Supermond" ist mehr super als die anderen

Der Vollmond vom 14. November 2016

Der Abstand des Mondes zur Erde ist bei jedem Perigäum ein wenig anders. Rekordhalter ist derzeit der Vollmond vom 14. November 2016. "Nur" 356.510 Kilometer war dieser Vollmond von der Erde entfernt. Er war der nächste Vollmond für mehrere Jahrzehnte.

So nah war uns der Vollmond zuletzt am 26. Januar 1948. Und erst am 13. Januar 2036 wird unser Nachbar im All der Erde mit 356.531 Kilometer ähnlich nahe kommen. Einen näheren und größeren Vollmond gibt es erst wieder am 6. Dezember 2052, der ist dann nur 356.429 Kilometer entfernt.

Rekordhalter der Supermonde

Der Rekordhalter des Jahrtausends war noch über fünfzig Kilometer näher: Am 4. Januar 1912 war der Vollmond nur 356.375 Kilometer von der Erde entfernt - näher als alle Vollmonde tausend Jahre davor und tausend Jahre danach. Aber warum ist der eine Supermond näher als der andere?

Bei Vollmond oder Neumond besonders nah

Der Mond kommt uns natürlich nicht nur als Vollmond nah, sondern ganz regelmäßig auch als Neumond, Mondsichel, Halbmond - in jeder beliebigen Phase. Die Ellipse der Mondbahn ist immer unterschiedlich und mal ist der Abstand bei Erdnähe größer, beim nächsten Mal kleiner. Besonders extrem fallen Perigäum oder Apogäum aber immer dann aus, wenn ausgerechnet der Vollmond oder Neumond in Erdferne oder Erdnähe stehen. Der kleinste Abstand des Mondes zur Erde in einem Jahrzehnt ist eben nie bei Halbmond, sondern immer bei Neu- oder Vollmond.

Denn bei Neumond wie bei Vollmond stehen Sonne, Erde und Mond in genau einer Reihe. Dann addieren sich die Gravitationskräfte der Körper und zerren derart aneinander, dass die Ellipse der Mondbahn gedehnt und ein wenig "verzogen" wird. Dann fällt die Erdnähe besonders klein aus, die Erdferne dagegen größer als normal. Eine Rolle spielt dabei auch, wie nah oder fern die Erde in dem Moment der Sonne ist. Denn die zieht dann zusätzlich noch unterschiedlich stark an Erde und Mond.

Ist die Erde besonders weit von der Sonne entfernt, während der Vollmond gerade in Erdnähe ist, ist der Abstand besonders klein. Das ist bei uns vor allem im Sommer der Fall: Den größten Abstand zur Sonne hat die Erde immer etwa am 3. Juli.

Das Apogäum des Mondes, seine größte Erdferne, fällt dagegen besonders groß aus, wenn es der Neumond ist, der sich in Erdferne befindet, während die Erde aber gerade möglichst nah bei der Sonne steht - bei uns im Winter.


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