Zeitumstellung 2024 Was macht das mit eurer Gesundheit?

Published at: 2-4-2024

Die Uhren wurden auf Sommerzeit vorgestellt. Das heißt, uns wurde eine Stunde Zeit "geklaut". Wie gewöhnt ihr euch am besten an den neuen Rhythmus? Hat die Umstellung gesundheitliche Folgen? Und warum wird überhaupt an der Uhr gedreht?

Zwei Schilder in entgegengesetzte Richtungen: Sommerzeit und Winterzeit. Winterzeit ist ausgegraut. | Bild: MEV/Mark Robertz, Colourbox.com, BR, Montage: BR

Termin: Wann ist die Zeitumstellung auf Sommerzeit?

Zweimal im Jahr ist bei uns Zeitumstellung, die Uhr wird "umgestellt": Jeweils am letzten Sonntag im März beginnt die Sommerzeit. Am letzten Sonntag im Oktober die mitteleuropäische Zeit (MEZ), meist Winterzeit genannt. Dabei sollte nach einem Beschluss des EU-Parlaments bereits 2021 Schluss mit der Zeit- oder besser Uhrumstellung sein. Denn bei einer europaweiten Online-Befragung 2018 hat ein Großteil der Befragten dafür gestimmt, die Zeitumstellung abzuschaffen. Warum geht es dann nicht damit vorwärts und was macht das Drehen an der Uhr mit uns und unserer Gesundheit?

Zeitumstellung: Welche Folgen hat sie für unsere innere Uhr?

Vor oder zurück? In welche Richtung wird die Uhr umgestellt?

Jedes Mal die gleiche Frage: Wie wird die Uhr umgestellt - vor oder zurück? Im Oktober wird die Uhr um eine Stunde zurückgestellt, von drei auf zwei Uhr nachts. Im März wird die Uhr um eine Stunde vorgestellt, also von zwei auf drei Uhr nachts. Diese Eselsbrücke hilft euch, wenn ihr euch nicht merken könnt, wann die Zeit wie umgestellt wird: "Im Sommer stellt man die Gartenmöbel 'vor' die Tür, im Winter stellt man sie 'zurück' in den Schuppen".

Ihr könnt euch aber auch einfach auf die Technik verlassen und euch eine Funkuhr anschaffen. Sie wird automatisch umgestellt - der Atomuhr an der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig folgend. Per Langwellensender wird die neue Zeit von dort aus an alle Funkuhren übermittelt.

Was fällt schwerer: Umstellung auf Sommerzeit oder auf Normalzeit (MEZ)?

Vielen Menschen fällt die Umstellung auf die Sommerzeit, bei der uns eine Stunde "genommen wird", schwerer als die Umstellung im Herbst auf unsere normale mitteleuropäische Zeit (MEZ, umgangssprachlich auch Winterzeit genannt). Das liegt daran, dass Arbeit und Schule in der Sommerzeit eine Stunde früher beginnen als in der Winterzeit. Das ist uns aber häufig nicht bewusst, da wir die Uhren ja vorgestellt haben.

Streitfrage: Liebe dauerhaft Sommerzeit oder Normalzeit?

Schlafforscherin Eva Winnebeck: Auswirkungen der Umstellung auf Sommerzeit

Eva Winnebeck. Hat die Zeitumstellung gesundheitliche Folgen? Und warum wird überhaupt an der Uhr gedreht? | Bild: Eva Winnebeck

"Bei dem Wechsel auf Sommerzeit 'verlieren' wir eine Stunde. Dies bringt unsere biologischen Rhythmen aus dem Takt, und da wir abends anfangs zur alten Zeit erst schlafen (können), aber plötzlich eine ganze Stunde früher aufstehen müssen, sind die meisten Menschen nach der Umstellung unausgeschlafen bis sich der Körper zumindest teilweise an die neue Uhrzeit angepasst hat. Beim Wechsel auf die Winterzeit 'gewinnen' wir die eine Stunde zurück und dürfen eine Stunde später aufstehen und zur Arbeit/Schule gehen. Daher ist für uns als schlafdeprivierte Gesellschaft klar: Die Umstellung auf Sommerzeit ist die schwerere, die auf Winterzeit die leichtere."

Eva Winnebeck, Schlafforscherin, Dozentin an der University of Surrey, im Interview 2022 mit ardalpha.de.

Zeitumstellung: Gibt es gesundheitliche Probleme?

Viele Studien haben gezeigt, dass in den Tagen nach der Umstellung auf Sommerzeit die Zahl der Verkehrsunfälle und der Herz-Kreislauf-Probleme wie Herzinfarkte ansteigen, während man dasselbe bei der Umstellung auf die Winterzeit meist nicht findet, so Eva Winnebeck. Eine Zunahme der Herzinfarkte belegt zum Beispiel auch eine Statistik der Deutschen Angestellten Krankenkasse (DAK) über einen Zeitraum von zehn Jahren: Danach häufte sich die Zahl der Herzinfarkte bei den Versicherten nach dem Wechsel auf die Sommerzeit innerhalb der ersten drei Tage um 20 Prozent.

Die DAK startete im Jahr 2023 auch eine repräsentative Bevölkerungsumfrage und erforschte, ob und unter welchen Symptomen Menschen nach der Zeitumstellung leiden. Dabei gab ein Viertel der 1.008 Befragten an, nach der Zeitumstellung schon einmal gesundheitliche Probleme gehabt zu haben.

Mögliche Folgen der Zeitumstellung

Laut Befragung aus dem Jahr 2023 lagen Müdigkeit und Abgeschlagenheit als Symptome unter den Befragten mit 85 Prozent auf dem ersten Platz, gefolgt von Schlafstörungen mit 63 Prozent. 36 Prozent konnten sich nach der Zeitumstellung schlechter konzentrieren und 32 Prozent reagierten gereizt. 19 Prozent kamen aufgrund der Zeitumstellung morgens schon einmal zu spät zur Arbeit. 16 Prozent litten sogar an einer depressiven Verstimmung.

Nachteile: Wer leidet besonders unter der Sommerzeit?

Junges Mädchen liegt mit dem Kopf müde auf dem Schreibtisch. Hat die Zeitumstellung gesundheitliche Folgen? Und warum wird überhaupt an der Uhr gedreht? | Bild: picture alliance / Zoonar | lev dolgachov

Besonders Menschen mit einem sehr frühen und starren Arbeitsbeginn sind von der Sommerzeit betroffen. Denn sie müssen jeden Tag vor dem eigentlichen Ende ihrer Nacht aufstehen. In der Sommerzeit ist das dann noch einmal eine Stunde früher, meint Winnebeck. Das gelte auch für Schüler und Schülerinnen, da sie in der Sommerzeit dann nicht mehr um 8.00 Uhr, sondern bereits um 7.00 Uhr Schulbeginn haben.

Zitat: Darum trifft es Jugendliche hart

"Besonders Jugendliche haben einen sehr späten biologischen Tag-Nacht-Rhythmus, viel später als jüngere Kinder und ältere Erwachsene. Jugendlichen fällt also frühes Einschlafen und frühes Aufwachen besonders schwer. Schon ein Schulbeginn um 8.00 Uhr raubt ihnen täglich den so wichtigen Schlaf, obwohl sie eigentlich als Heranwachsende noch viel mehr Schlaf bräuchten als Erwachsene - zum Lernen und Gesund- und Sicherbleiben."

Eva Winnebeck 2022

Sommerzeit: Wie kann man sich auf die Umstellung vorbereiten?

  • Wenn ihr es schafft, verschiebt schon einige Tage vorher euren Rhythmus täglich um zehn bis fünfzehn Minuten. Das gilt vor allem für diejenigen, die einen starren Schlaf-Wach-Rhythmus haben. Das hilft dem Körper, sich langsam an den neuen Rhythmus anzupassen.
  • Wenn möglich, solltet ihr euch spätestens am Wochenende vor der Sommerzeit-Umstellung schrittweise umstellen und am Samstag den Lebensrhythmus, inklusive der Essenszeiten, um eine halbe Stunde verschieben.
  • Am Sonntag könnt ihr den Tagesablauf dann um eine ganze Stunde nach vorne verlagern. So verkraftet ihr den ersten Montagmorgen in der Sommerzeit leichter.
  • Wer in der Umstellungsphase auf den Mittagsschlaf verzichtet, kann nachts besser ein- und durchschlafen.
  • Eine entspannte Atmosphäre vor dem Schlafen hilft euch früher einzuschlafen. Yoga oder Atemtechniken können euch dabei unterstützen. Nutzt nicht das Smartphone oder Tablet, da das bläuliche Licht euch beim Einschlafen stören kann. Lest stattdessen lieber ein Buch oder hört Musik. Vermeidet auch schwere Mahlzeiten am Abend, die euren Schlaf beeinträchtigen können. Leichte Snacks und Getränke wie Kräutertees bereiten den Körper besser auf eine erholsame Nacht vor. Verzichtet darauf Schlafmittel einzunehmen. Einige machen abhängig und haben starke Nebenwirkungen. Pflanzliche Mittel wie Baldrian, Melisse oder Hopfen dagegen, zum Beispiel in Form von Tees, sind unproblematisch.
  • Nutzt das Tageslicht und verbringt viel Zeit im Freien. Körperliche Aktivität und Sonnenlicht reduzieren die Produktion des Schlafhormons Melatonin und erleichtern euch die Anpassung an die neue Zeit.

Biologischer Rhythmus: Licht als Hilfe bei der Umstellung

"Licht ist das beste Mittel, um seinen Körper an neue Uhrzeiten anzupassen. Licht am Abend verspätet den inneren biologischen Rhythmus, Licht am Morgen stellt ihn vor. Wenn man also möglichst gut in der Sommerzeit ankommen möchte, heißt das, man muss besonders das Abendlicht meiden (Lampen und Bildschirme dimmen), dafür aber morgens und am Vormittag für besonders viel Licht sorgen (Lampen an, viel Tageslicht z. B. auf dem Arbeitsweg) etc. Letzteres wird gerade im Frühjahr erschwert, da man durch die früheren Arbeitszeiten in der Sommerzeit oft wieder vor Sonnenaufgang aufstehen muss. Also, morgens gleich Licht an zuhause - auch wenn es schwer fällt."

Eva Winnebeck, Schlafforscherin am Helmholtz Zentrum in München

Gesundheit: Umstellung auf die mitteleuropäische Normalzeit (Winterzeit)

Die Umstellung von der Sommer- auf die mitteleuropäische Zeit (MEZ, auch Winterzeit genannt) fällt vielen Menschen leichter. Bei der Umstellung im Herbst wachen viele Menschen zudem am Morgen früher auf - dafür sind sie abends auch früher müde. Meist pendelt sich diese Verschiebung aber nach ein paar Tagen wieder ein.

Keine Einigung: Wann ist Schluss mit der Zeitumstellung?

2018 hatte die EU-Kommission eine europaweite Online-Befragung zur Zeitumstellung gestartet. 4,6 Millionen Menschen nahmen teil, davon kamen allein rund drei Millionen aus Deutschland. Das Ergebnis: 84 Prozent der Teilnehmer forderten die Abschaffung der Zeitumstellung.

Eigentlich sollte 2021 Schluss sein mit der Zeitumstellerei, doch ein rasches Ende ist nicht in Sicht. Die EU-Mitgliedstaaten konnten sich bisher noch nicht auf ein gemeinsames Vorgehen einigen. Für immer Sommerzeit, für immer MEZ/Winterzeit? Diese Entscheidung ist wichtig, denn sonst gäbe es einen Flickenteppich verschiedener Zeitzonen innerhalb der EU-Staaten. Bis dato ist ein Ende der halbjährlichen Umstellung allerdings noch nicht absehbar, denn weder die Bürger, noch die Parlamente sind sich bei diesem Thema einig.

Deutschland: Dauerhaft Winterzeit oder Sommerzeit?

Und was möchte Deutschland? Dauerhaft Winter- oder Sommerzeit? Die Winterzeit ist die in Deutschland geltende normale mitteleuropäische Zeit (MEZ). Mehr als die Hälfte, die an der Online-Petition teilgenommen hatten, votierten damals für eine dauerhafte Sommerzeit. Eine DAK-Umfrage aus dem Jahr 2023 bestätigt dieses Ergebnis: Eine Mehrheit von 55 Prozent der Befragten befürwortet eine dauerhafte Beibehaltung der Sommerzeit. Vor allem Erwerbstätige votierten dafür. Aber je nach Umfrage liegt mal die Sommerzeit und mal die MEZ vorne. Die Antworten hängen stark davon ab, wie und wen man fragt, so Eva Winnebeck.

Zitat: Für viele klingt Sommerzeit erst einmal verlockend

"Prinzipiell klingt der 'Sommer' in 'Sommerzeit' anscheinend für viele verlockend, denn 'Sommer' klingt nach Sonne, warmen Temperaturen, langen Tagen - all das haben wir zum Glück nicht wegen der Sommerzeit, sondern wegen der Jahreszeit Sommer. Wenn man aber Personen befragt, ob sie ab jetzt alle morgens eine Stunde früher aufstehen würden, dann ist die Tendenz klar dagegen, also gegen die Sommerzeit und für die Winterzeit."

Eva Winnebeck

Pro & Contra: Soll die Zeitumstellung abgeschafft werden?

Was spricht für die Sommerzeit?

1. Viele genießen, dass es abends länger hell ist und so mehr unternommen werden kann - zum Beispiel sportliche Aktivitäten.
2. Die Laune scheint besser zu sein, wenn man an lauen Sommerabenden länger Sonne tanken kann. Für viele eine Frage des positiven Lebensgefühls.
3. Man ist unternehmenslustiger, geht abends auch nochmal bummeln, ins Café oder in den Biergarten. Davon profitiert der Handel und die Gastronomie.

Was spricht für die mitteleuropäische Zeit (MEZ, Winterzeit)?

1. Das Argument, die Sommerzeit spare Energie, ist widerlegt.
2. Wer früh aus dem Bett muss - wie zum Beispiel Schüler und Schülerinnen - muss einige Wochen länger im Dunkeln aus dem Haus und bei Licht schlafen gehen.
3. Unsere innere Uhr, also unser naturgegebener chronobiologischer Rhythmus, wird gestört, wenn dauerhaft auf Sommerzeit umgestellt wird. Gesundheitliche Folgen bleiben nicht aus.

Dauerhafte Sommerzeit: Die gesundheitlichen Folgen einer dauerhaften Sommerzeit

Wissenschaftler warnen vor den gesundheitlichen Folgen einer dauerhaften Umstellung auf die Sommerzeit. Zeitzonenstudien legen nahe, dass ein Leben entgegen der natürlichen Tageszeit, wie es auch während der Sommerzeit der Fall ist, langfristig zu einem schlechteren allgemeinen Gesundheitszustand führen und sogar das Krebsrisiko erhöhen kann, meint Eva Winnebeck.

Zitat: Entscheidung für eine Zeitzone hat weitreichende Konsequenzen

"Sommerzeit oder Winterzeit ist mehr als eine individuelle Lifestyle-Entscheidung, sie hat weitreichende Konsequenzen für die Gesundheit und das Wohlbefinden der ganzen Gesellschaft. Daher sollte solch eine Entscheidung meiner Meinung nach auf gründlichen Abwägungen unter Einbeziehung von jeweiligen Fachexperten getroffen werden und nicht aufgrund von unrepräsentativen Umfragen. Aus Sicht der Schlafforschung ist die Winterzeit klar zu bevorzugen, denn eine dauerhafte Sommerzeit würde den enormen Schlafmangel und sozialen Jetlag in unserer Gesellschaft nur noch mehr verstärken - mit weitreichenden Konsequenzen für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit von uns allen."

Eva Winnebeck

Ursprung: Warum wurde die Zeitumstellung eingeführt?

Seit 2002 ist die Zeitumstellung EU-weit einheitlich geregelt. Die Uhren werden immer am letzten Sonntag im März vor- und am letzten Sonntag im Oktober zurückgestellt. Dadurch sollten Probleme durch unterschiedliche Uhrzeiten im Gütertransport oder bei Flug- oder Bahnverbindungen vermieden werden.

Als 1980 in Deutschland die Sommerzeit eingeführt wurde, geschah dies mit den besten Absichten: Nach der Ölkrise 1973 wollte man im Sommer Strom sparen und das Tageslicht besser nutzen. Die Idee: Wenn das Tageslicht besser genutzt wird, kann man Energie sparen. Aber Untersuchungen wiesen darauf hin, dass die Effekte marginal sind: Die Einsparung an Strom für Beleuchtung, insbesondere effizienter Beleuchtungssysteme, wird durch den Mehrverbrauch an Heizenergie und durch die Vorverlegung der Hauptheizzeit überkompensiert. (Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP zur Zeitumstellung im Jahr 2005.)

Der Energielevel sinkt also nur bei Zeitumstellungsgeplagten, die sich nach der Umstellung aus dem Bett und durch den Tag quälen.

Zeitumstellung: Quellen und Sendungen zum Thema