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Jeder kann Klimaschutz Das können Sie täglich für die Ökoblanz tun

Weniger Auto fahren, seltener Fleisch essen, Strom sparen, bewusster einkaufen, Müll vermeiden: Klimaschutz fängt im Kleinen an. Mit diesen Tipps kann jeder seinen Beitrag leisten - und dabei auch noch Geld sparen!

Stand: 14.09.2021

Große Hitze, extreme Unwetter: keine Frage, der Klimawandel ist da. Wir müssen unseren CO2-Ausstoß jetzt reduzieren - aber wie? Experten haben fünf Sektoren mit dem größten Einsparpotential identifiziert: Energie, Industrie, Verkehr, Gebäude, Landwirtschaft. Aber auch zuhause in den eigenen vier Wänden kann man etwas fürs Klima tun. Hier kommen Tipps, Hinweise und Anregungen zum Klimaschutz im Alltag.

Was tun gegen die schlechte Ökobilanz?

Die fünf "F"s

Das können Sie tun, um Ihren eigenen ökologischen Fußabdruck ein wenig zu verkleinern:

  • Fleisch weglassen
  • Fassade dämmen
  • Fliegen vermeiden
  • Fahren mit dem Auto reduzieren
  • Forderungen stellen

Fleisch

Der größte Brocken in der schlechten Umweltbilanz des Menschen ist der Tierhaltung geschuldet. Denn die Tierhaltung und der Transport des Fleischs tragen zum Klimawandel bei. Je weniger Fleisch und andere tierische Produkte verzehrt werden, umso besser für die Natur.

Fassade

Kaum eine Aktivität des Menschen ist so klimaschädlich wie Gebäude zu errichten und zu nutzen. Ein bescheidenerer Wohnstil rechnet sich deshalb bei der Ökobilanz. Und das ist nicht nur Sache großer Bauunternehmer. Jeder und jede einzelne kann auf gute Isolierung und sinnvolles Lüften achten und die individuellen Heiz- und Energiekosten im Auge behalten.

Fliegen

Mit jeder Fernreise per Flugzeug hinterlassen Sie einen gewaltigen Fußabdruck. Der ist zwar nicht unbedingt größer, als wenn Sie alleine mit dem Auto verreisen. Aber ein Urlaub mit der Bahn oder in näher gelegene Ferienorte könnte eine Alternative sein.

Fahren

Bilden Sie Fahrgemeinschaften, nutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel oder Elekto-Mobilität mit Energie aus regenerativen Quellen. Oder radeln Sie mehr. Denn pro mit dem Verbrenner-Automobil gefahrenem Kilometer werden etwa 160 Gramm CO2 in die Luft gepustet.

Forderungen

Dieses "F" hat die Umweltorganisation Greenpeace der Liste hinzugefügt: Stellen Sie Forderungen an den Staat! Denn der ist nicht nur Vorbild auch in Sachen Ökologie, er hat auch die Pflicht und Möglichkeit, den Rahmen zur Verfügung zu stellen, in dem nachhaltiger Konsum für Sie möglich wird.

Possoch klärt: Klimaschutz in Küche und Haushalt

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Possoch klärt: In der Küche - was Du fürs Klima tun kannst, ohne was tun zu müssen! 1/3 | Bild: BR24 (via YouTube)

Possoch klärt: In der Küche - was Du fürs Klima tun kannst, ohne was tun zu müssen! 1/3

Klimaschutz in Küche und Haushalt

  • Mit dem Einkaufskorb oder wiederverwendbaren Taschen zum Einkaufen gehen.
  • Nahrungsmittel rechtzeitig aus dem Tiefkühlfach nehmen und dann langsam im Kühlschrank auftauen statt schnell im Mikrowellenherd.
  • Recycling-Papier statt Papier aus frischem Zellstoff verwenden.
  • In der Dusche einen Sparduschkopf verwenden. Er durchsetzt das Wasser mit Luft und senkt so den Verbrauch.

Strom sparen und dabei das Klima schützen

  • Nahrungsmittel rechtzeitig aus dem Tiefkühlfach nehmen und dann langsam im Kühlschrank auftauen, statt schnell im Mikrowellenherd.
  • Bei Elektrogeräten Stand-by-Modus vermeiden. Mit einer Mehrfach-Steckerleiste mit Netzschalter lassen sich mehrere Geräte wie Computer, Monitor und Drucker gleichzeitig ausschalten.
  • Akkus nicht zu früh und nicht zu lange aufladen, das verkürzt deren Lebensdauer. Wenn möglich Geräte mit Netzstecker nutzen, denn die Herstellung von Akkus belastet die Umwelt.

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Possoch klärt: Im Haushalt - was Du fürs Klima tun kannst, ohne was tun zu müssen! 3/3 | Bild: BR24 (via YouTube)

Possoch klärt: Im Haushalt - was Du fürs Klima tun kannst, ohne was tun zu müssen! 3/3

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Possoch klärt: Strom sparen - was Du fürs Klima tun kannst, ohne was tun zu müssen! 2/3 | Bild: BR24 (via YouTube)

Possoch klärt: Strom sparen - was Du fürs Klima tun kannst, ohne was tun zu müssen! 2/3

Was hilft wirklich gegen den Klimawandel?

Ist Deutschland wirklich so toll beim Klimaschutz? Ob der Verzehr von Biofleisch oder das Fahren öffentlichen Verkehrsmitteln, ob erneuerbare Energien oder alternative Industrien - was reduziert den CO2-Fussabdruck wirklich? Die BR-Videoreihe "Klimapalaver Faktencheck" rechnet nach, was gegen den Treibhauseffekt hilft - und was nicht.

Klimaschutz durch Fleischverzicht

Wie wir uns ernähren, hat großen Einfluss auf den Klimawandel. Nach einer US-amerikanischen Studie aus dem Jahr 2021 entfallen 35 Prozent aller vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf die Lebensmittelindustrie. Tierische Lebensmittel haben demnach daran mit 57 Prozent den größten Anteil. 

Rindfleisch ist aus Sicht des Klimaschutzes dabei das schlechteste Nahrungsmittel überhaupt: Um ein Kilogramm Fleisch zu produzieren, müssen 15 Kilogramm Futter erzeugt werden. Dafür braucht man eine Fläche von 40 Quadratmetern. Auf dieser Fläche könnte man 120 Kilogramm Karotten und 80 Kilogramm Äpfel ernten. Auch Unmengen von Wasser "fließen" in jedes Schnitzel. Zugleich stößt jedes Rind viel Methan aus, das als Treibhausgas noch schädlicher ist als Kohlendioxid.

Vegane Ernährung gegen den Treibhauseffekt

Mehr Gemüse

Es gibt eine einfache und praktische Möglichkeit für jeden von uns, das Klima zu schützen: den Verzehr von Rind- und Lammfleisch, Käse und Milch zurückfahren. Denn essen wir weiter so viel Fleisch und Milchprodukte wie bisher, dann werden sich die weltweiten Emissionen aus der Landwirtschaft bis 2070 verdoppeln. Das haben schwedische Forscher bereits 2014 vorgerechnet. (Chalmers University of Technology).

Emissionen

Fredrik Hedenus und seine Kollegen von der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg ermittelten mithilfe von gekoppelten Klima-Wirtschaftsmodellen, dass sich die Emissionen der Landwirtschaft bis 2070 von jährlich 7,1 Gigatonnen CO2-Äquivalenten (Stand: 2014) auf 13 Gigatonnen verdoppeln würden. Kohlendioxidäquivalente (CO2e) berücksichtigen, dass neben CO2 auch Methan oder Lachgas als Treibhausgase wirken. Um die unterschiedlichen Treibhausgase miteinander vergleichen zu können, wird jedes Treibhausgas hinsichtlich seiner Wirkung auf Kohlendioxid umgerechnet.

Methan, Lachgas, CO2

Weniger Fleisch- und Milchkonsum bedeuten gleichzeitig eine Verringerung des landwirtschaftlich bedingten Ausstoßes von Methan und Lachgas. Um Tierfutter zu produzieren wird mehr Ackerfläche benötigt, als wenn Menschen direkt über Ackerfrüchte versorgt würden. Deshalb erhöht die Fleischproduktion den Bedarf an Dünger. Darüber hinaus entsteht Methan im Verdauungstrakt von Wiederkäuern. Lachgas bildet sich vor allem durch das Ausbringen von Kunstdünger auf die Äcker. Kohlendioxid schließlich wird frei, wenn Wälder zu Äckern werden, um mehr Lebensmittel zu erzeugen.

Sonntagsbraten

Zwar könnte eine verbesserte Anbautechnik den Wissenschaftlern zufolge die Treibhausgase reduzieren. Die Umstellung der Ernährung in der Bevölkerung wäre jedoch noch effektiver, nämlich wenn 75 Prozent des Rind- und Lammfleisches und der Milchprodukte entweder durch andere Fleischsorten oder durch Gemüse und Getreideprodukte ersetzt werden. Wenn ein Zwei-Grad-Ziel bis zum Ende des Jahrhunderts erreicht werden soll, sind Fleisch, Käse und Milch noch erlaubt, aber nicht mehr täglich, so lautet die Empfehlung der Forscher. Das größte Einsparpotenzial bietet aber eine Kombination beider Ansätze.

Alternative Eiweißlieferanten

Sind essbare Insekten die Ernährung der Zukunft? Seit Anfang 2018 ist der Verkauf von essbaren Insekten in der Europäischen Union geregelt. Und auch in Deutschland verkaufen inzwischen eine Supermarkt- und eine Burgerkette Insekten-Produkte. Doch er für viele eklige Trend hat einen ernsten Hintergrund.

Die Insektenzucht hat gegenüber der Fleischproduktion klare Vorteile: Die Tiere brauchen kaum Platz, sind anspruchslos in der Haltung, vermehren sich explosionsartig, brauchen wenig Wasser und erzeugen keine Treibhausgas-Emissionen wie zum Beispiel Rinder.

Klimaschutz-Tipps für unterwegs

Deutschland bekennt sich zu den im Pariser Klimaschutzabkommen vereinbarten Zielen und will bis 2050 klimaneutral sein. Dafür muss sich auch bei Verkehrsmitteln etwas ändern. Bei PKW ist das Problem kleiner als bei Schiffen oder Flugzeugen. Denn Pkw können statt mit Kraftstoff auch mit einem batteriebetriebenen Motor fahren, der keine klimaschädlichen Gase ausstößt. Schiffe und Flugzeuge werden hingegen noch für längere Zeit auf einen Verbrennungsmotor angewiesen sein. 

Klimaschutz unterwegs

Flieger

Verzichten Sie so oft wie möglich auf Flüge. Experten schätzen, dass langfristig der Flugverkehr das Klima mehr belasten wird als der Autoverkehr. Wenn es dennoch das Flugzeug sein muss, kann man für den Klimaschaden eine Ausgleichszahlung an zertifizierte Klimaschutzprojekte überweisen.

Auto

Wer energieeffizient Auto fährt, spart Sprit und Emissionen. Vorausschauend fahren und auf Rasen verzichten, so minimieren Sie unnötiges Bremsen und Anfahren. Bis zu einem Viertel Treibstoff spart, wer einige Grundregeln einhält. Oder Sie steigen auf ein Elektroauto oder ein Fahrzeug mit Hybrid-Technologie um.

Bahn

Die Bahn hat im Vergleich zu Auto und Flugzeug die bessere Ökobilanz. Laut Germanwatch erzeugt man eine Tonne Kohlendioxid mit dem Flugzeug schon nach rund 3.000 Kilometern, mit einem Mittelklasse-Auto nach etwa 7.000, mit dem Zug aber erst nach rund 17.000 Kilometern. Für die Strecke München - Köln errechnet der Umweltmobilcheck auf den Internetseiten der Bahn für eine Person 21 Kilo Kohlendioxid. Im Pkw sind es demnach hundert Kilo und im Flugzeug 83 Kilo.

Bus

Ein gut ausgebuchter Reisebus spart noch mehr Emissionen ein, im Vergleich zur Bahn bis um die Hälfte, im Vergleich mit dem Auto sogar fast 90 Prozent. Je mehr Menschen auf das Auto verzichten und auf Bahn und Bus umsteigen, umso besser, denn so steigt deren Auslastung bei gleicher Emission.

Rad

Für Kurzstrecken ist das Rad zu empfehlen. Denn gerade bei kaltem Motor verbraucht ein Auto viel mehr Sprit, als wenn er warmgefahren ist. Darüber hinaus sind dann auch die Schadstoff-Emissionen höher. Direkt nach dem Start verbrennt ein kalter Motor Höchstmengen an Sprit - in etwa ein Verbrauch von dreißig bis vierzig Liter pro hundert Kilometer.

Lastenfahrrad

Mit einem Lastenfahrrad oder einem Fahrradanhänger lassen sich auch größere Einkäufe mit dem Fahrrad transportieren. Das spart Fahrten mit dem Auto ein. Wer Schweres transportieren oder oft steile Hänge hinaufstrampeln muss, kann überlegen, ob sich der Kauf eines E-Bikes lohnt.

Kreuzfahrtschiff

Reiseveranstalter werben für Kreuzfahrten mit Bildern von eindrucksvollen Schiffen vor strahlend blauem Himmel. In der Realität stoßen die meisten Kreuzfahrtschiffe jedoch gewaltige Mengen an Feinstaub, Ruß, Stickoxiden und Schwefeloxid aus. Wer trotzdem eine Kreuzfahrt buchen will, sollte darauf achten, ob sein Schiff zumindest mit moderner Abgastechnik ausgerüstet ist.

Studie: Wie viel ist uns der Klimaschutz wert?

Spenden für den Klimaschutz

Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg wollten herausfinden: Wie viel ist den Menschen der Klimaschutz wert? Dazu nutzten sie ein psychologisches Spiel, das aus der Verhaltensökonomie stammt, ein sogenanntes "Public-Goods-Game".

In dem Experiment wurden fast 200 Studenten in Sechser-Gruppen eingeteilt und vor folgende Situation gestellt: Jeder Proband bekommt ein Anfangskapital von je 40 Euro. In jeder der zehn Runden des Spiels können die Teilnehmer einen Teil davon für eine Anzeigenkampagne über den Klimawandel spenden. Wenn eine Gruppe mindestens 120 Euro zusammenträgt, bekommt jeder Mitspieler 45 Euro Prämie. Absprechen können sich die Probanden während des Spiels übrigens nicht.

Prämien motivieren

In rund zwei Dritteln der Versuche erreichten die Gruppen das Spendenziel. Allerdings nur, wenn sie die Prämie gleich ausbezahlt bekamen. Andere Gruppen mussten sieben Wochen darauf warten. Bei diesen bekam nur noch ein Drittel die notwendigen 120 Euro zusammen. Es gab aber auch Gruppen, die gar nichts ausbezahlt bekamen. Wenn diese das Spendenziel erreichten, wurde das Geld dazu benutzt, Eichen zu pflanzen und so etwas gegen den Klimawandel zu tun.

Eigennutz vor Zukunft

Das Ergebnis der Studie von 2013 war ernüchternd: Die Gruppen, die in den Klimaschutz investieren konnten, erreichten in keinem einzigen Fall das Spendenziel. Die Forscher vom MPI für Meteorologie folgern daraus: Eine sofortige Belohnung motiviert weit mehr als die Aussicht, etwas für künftige Generationen zu tun. Die Menschen werden also nur dann in den Klimaschutz investieren, wenn sie selber etwas davon haben. Daher sollte man auf aktuelle Vorteile hinweisen, etwa, dass die Energiewende schon heute neue Arbeitsplätze schafft.


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