Hitze in der Stadt Warum es in Städten besonders heiß ist - und was dagegen hilft

Von: Delia Friess

Stand: 15.06.2022

Im Alltag denkt ihr vielleicht nicht daran. Noch nicht. Doch wenn die Temperaturen durch den Klimawandel steigen und Extremwetterereignisse zunehmen, dann wird es vor allem in den Städten heiß. Wir erklären, wieso das so ist, warum das so gefährlich ist - und welche Lösungen es gibt.

Ein Mann sitzt im Sommer auf einer Wiese. Links neben ihm ist ein Betonbau zu sehen. Rechts daneben steht ein Hochhaus mit grünen Fassaden und bepflanzten Balkons. Hitze in Städten wird durch den Klimawandel zu einem immer stärkeren Problem. Grüne Stadtkonzepte sollen gegen Hitzeinseln helfen. | Bild: colourbox.com

Brütende Hitze, wenig Schatten, dazu Großstadtlärm und Smog: Die Sommer in unseren Städten werden immer heißer - und anstrengender. Fakt ist: In Städten ist es schon jetzt oft wärmer als auf dem Land. Deshalb spricht man auch von "Hitzeinseln". In rund 730 Städten weltweit ist in den vergangenen Jahren die Durchschnittstemperatur um 1,5 Grad Celsius auf 23 Grad Celsius gestiegen. Was erstmal wenig klingt, bereitet Forschenden bereits Sorgen. In großen Städten kann der Temperaturunterschied zum Land bis zu 10 Grad Celsius betragen. In Deutschland gilt eine Stadt ab 100.000 Einwohnern als Großstadt. Wissenschaftlern zufolge kommt es durch den Klimawandel häufiger zu Hochdruckwetterlagen, die dafür sorgen, dass es auch in mittelgroßen Städten ab 20.000 oder in Kleinstädten ab 5.000 Einwohnern heißer wird. Deutsche Städte waren in den letzten Jahren bereits deutlich häufiger von Hitzewellen betroffen: In München haben sich die heißen Tage und Nächte verdreifacht.

Und vielleicht habt ihr die Folgen von hohen Temperaturen auch schon zu spüren bekommen: Hitze schlaucht und nachts schlafen wir schlechter. Weltweit ist die Belastung durch Hitze gestiegen: Wir können nicht mehr so produktiv arbeiten, wir bewegen uns weniger und wegen Hitze drohen auch gesundheitliche Folgen. Mit den steigenden Temperaturen erhöht sich außerdem das Risiko für die Verbreitung von Krankheitserregern und Pandemien. Vor den direkten Folgen von Hitze könnt ihr euch im Alltag schützen.

Eine Frau steht im Freien in der Sonne und fächelt sich Luft zu. Hitzewellen treffen Städte besonders. Der Hitzeinseleffekt in Städten entsteht vor allem durch dichte Bebauung und zu wenig Grünanlagen. | Bild: colourbox.com

Hitze ist anstrengend und kann sogar gefährlich sein. Hohe Temperaturen sind besonders in Städten ein Problem.

TIPPS UND TRICKS: So schützt ihr euch vor Hitze

● Wenn ihr schwitzt, verliert ihr Flüssigkeit. Deshalb ist es wichtig, ausreichend zu trinken - mindestens zwei Liter am Tag. Wenn ihr in der Stadt unterwegs seid, solltet ihr immer etwas zu trinken dabeihaben. Sind die Getränke zu kalt, aktiviert der Körper seine Wärmeregulierung und ihr kommt noch mehr ins Schwitzen. Lauwarme Getränke wie Leitungswasser sind ideal. Das könnt ihr auch in isolierten Trinkflaschen aus Stahl oder Glas transportieren. Damit reduziert ihr gleichzeitig euren Plastikverbrauch.

● Durch die Hitze verliert euer Körper Mineralien und Salze. Mit salzhaltigen Lebensmitteln könnt ihr das ausgleichen. Auch leichte Kost wie Gemüse, Salate und Obst ist bei Hitze ideal.

● Sonnenschutzmittel schützt euch vor UV-Strahlung, die eurer Haut auch langfristig schaden kann. Haltet euch auch in der Stadt im Schatten auf. Mit einer Kopfbedeckung schützt ihr euch ergänzend vor der Sonne. Dunkle Kleidung schützt übrigens besser vor UV-Strahlung als helle. In welcher Farbe ihr mehr schwitzt, hängt jedoch davon ab, wie locker die Kleidung sitzt. Weite Kleidung aus Material wie Leinen ist angenehmer, da sie die Haut atmen lässt.

● Kühlt eure Handgelenke und Unterarme mit lauwarmem Wasser aus Sprühflaschen ab. Das erfrischt und spart mehr Wasser als Duschen. Oder ihr nutzt Badeseen und Schwimmbäder in eurer Nähe für eine Abkühlung.

● Auch elektrische Geräte erzeugen im Raum Wärme. Wenn ihr sie nicht nutzt und den Stecker zieht, spart ihr zusätzlich Strom.

● Lüftet am frühen Morgen, wenn es kühler ist. Dunkelt eure Fenster mit möglichst hellem Material ab, damit es in eurem Zuhause angenehm kühl bleibt. Dabei sollte der Sonnenschutz möglichst außen liegen, damit die Hitze erst gar nicht in den Raum gelangt.

● Achtet auf andere: Lasst Menschen oder Hunde nicht alleine im Auto. Die Temperaturen im Fahrzeug können sehr schnell sehr hoch steigen.

Infografik: So entstehen Hitzeinseln

Die Illustration zeigt, warum Städte stärker von Hitze betroffen sind.  | Bild: BR

Die Grafik zeigt, weshalb in der Stadt höhere Temperaturen als im grüneren Umland herrschen.

Die städtische Grenzschicht gibt an, wie weit der Einfluss der Stadt in die Atmosphäre reicht. Stadthindernisschicht wird der Raum vom Boden bis zum höchsten Gebäude genannt. Die Stadt produziert Treibhausgase (anthropogener Wärmefluss und Emissionen), die eine Dunstglocke (beispielsweise Smog) bilden können. Der Wind von außerhalb kann aufgrund der Gebäude in der Stadt nur schwer für frische Luft sorgen (reduzierte Windgeschwindigkeit). Zwar spenden die Gebäude Schatten (Abschattung), aber sie speichern auch die Wärme (erhöhte Energieabsorption). Verdunstet Wasser, wird der Umgebung Wärmeenergie entzogen und es wird kühler. Auch Pflanzen tragen dazu bei, dass Wasser verdunstet. Ohne genug Wasser und Pflanzen kühlt sich die Stadt deshalb nicht so gut ab (reduzierte Verdunstung).

DIE GRÜNDE: Deshalb wird es in Städten so heiß

Warum Städte besonders von Hitze betroffen sind:

Der Wärmeinseleffekt ist umso stärker, je dichter die Gebäude in der Stadt nebeneinander gebaut sind. Mehrere Faktoren spielen dabei eine Rolle:

● Es ist besser in die Höhe zu bauen, als Oberflächen zu versiegeln. Materialien wie Beton, Glas oder Metall speichern Wärme. Städte kühlen deshalb nachts nur langsamer wieder ab. Die gespeicherte Wärme steigt am Abend auf und sorgt für tropische Temperaturen in der Nacht.

● Ist eine Stadt stark bebaut, kann auch die Luft nicht so gut zirkulieren: Kühlender Wind kann deshalb die Straßen nicht ausreichend belüften.

● Die Farben von Gebäuden können den Effekt verstärken: Dunkle Farben wie Schwarz, Grau oder Rot nehmen Sonnenlicht auf und wandeln es in Wärme um. Beton ist außerdem ein umweltschädliches Material, da bei der Herstellung die knappe Ressource Sand genutzt wird und viele Emissionen entstehen.

Diese Bauweisen lindern Hitze in der Stadt:

Klimaforscher und Architekten arbeiten an nachhaltigen Bauweisen, die Hitze besser regulieren können:

● Trifft Hitze auf Wasser, verdunstet es. Dadurch wird der Umgebung Wärmeenergie entzogen und es wird kühler. Auch Pflanzen tragen zu diesem Effekt bei, indem sie Wasser über die Blätter verdunsten lassen. Deshalb helfen Dächer mit Pflanzen, grüne Fassaden und fließende Wasserquellen in der Stadt gegen Hitze. Bäume und Grünanlagen spenden außerdem Schatten und reinigen die Luft.

● Mithilfe von freien Flächen, sogenannten Frischluftschneisen, die auch leicht begrünt sein können, zirkuliert die Luft in der Stadt besser: Kalte Luft aus dem Umland kann in die Stadt strömen. Dadurch sinkt auch das Risiko für Luftverschmutzung, da Schadstoffe abtransportiert werden. Auch tiefere Straßendämme tragen dazu bei, dass die Stadt durchlüftet wird. Mehr Fußgängerzonen und Radwege sorgen für weniger Emissionen in der Stadt.

● Fassaden in Weiß, Grün oder Blau heizen das Gebäude weniger auf, da helle Farben Sonnenstrahlen reflektieren. Andere Materialien wie Holz, Tonziegel oder Kalkstein sind teilweise umweltfreundlicher als Beton. Forscher entwickeln außerdem bereits Beton und andere Materialien, die umweltfreundlicher produziert werden.

HÄTTET IHR'S GEWUSST? Hitze in Städten ist auch ein soziales Problem

Ein Hochhaus aus Beton ragt in den Himmel hinein. Gebäude aus Beton speichern Wärme und erhöhen die Hitze in der Stadt.   | Bild: colourbox.com

Betonbauten speichern Wärme und verstärken Hitze in Städten.

Bis 2050 werden Schätzungen zufolge zwei Drittel aller Menschen auf der Erde in Städten leben.
Der globale Süden ist von Hitzewellen stark betroffen. Auch in Europa sind einige Stadtbewohner besonders anfällig für die Folgen von Hitze - beispielsweise durch schlechte Wohnbedingungen: Aufgrund ihrer Bauweise heizen sich einige Gebäude schneller auf, da Materialien wie Beton die Wärme speichern. Und: Nicht überall gibt es Klimaanlagen. Klimaanlagen sind teuer, aufwändig einzubauen und verbrauchen viel Energie. Architekten und Klimaforscher suchen deshalb nach Strategien, wie sich Städte umweltfreundlich an hohe Temperaturen anpassen können. Stadtplanung und Baumaterialien sind dabei entscheidend, wie gut Städte für Hitze und Extremwetter gerüstet sind. Durch ihre Bauweise kann eine Stadt auch Treibhausgase und Energie einsparen.

Zukunft der Städte: Konzepte gegen Hitze und Starkregen

An einem Hochhaus sind die Fassaden mit Pflanzen bedeckt. Grüne Fassaden reduzieren die Hitze in der Stadt.  | Bild: colourbox.com

Grüne Fassaden - auch an Hochhäusern - sorgen dafür, dass die Wärme besser verdunstet.

Die Schwammstadt:

Das Stadtkonzept wirkt wortwörtlich wie ein Schwamm: Das Wasser versickert, verdunstet oder wird gespeichert. Dächer mit Beeten, grüne Balkons und bepflanzte Fassaden helfen, dass Wasser verdunstet und es kühler wird. Aber auch der Lebensraum unter der Erde erhält in der Schwammstadt mehr Raum: Die Oberflächen werden weniger zubetoniert und die Baumwurzeln bekommen mehr Platz. Mulden und Zisternen speichern das Regenwasser, das in Trockenphasen dann Bäume und Pflanzen versorgen soll. Auffangbecken unter der Erde, sogenannte Rigole, lassen das Wasser versickern und leiten überschüssiges Wasser in die Kanalisation ab. Damit sollen Kanäle weniger überlastet werden. Die Schwammstadt will so Überschwemmungen vorbeugen. Klimaforscher befürchten in Zukunft nämlich häufiger Starkregen.

Smart Cities:

Weniger Straßen und eine Stadtplanung, die digitale Technologien, erneuerbare Energien und Grünflächen kombiniert: E-Mobilität, Car-Sharing-Angebote oder unterirdisches Müllmanagement - die Smart City beruht auf dem Zusammenspiel von mehreren Elementen. Und: Es gibt auch futuristische Konzepte von Planstädten, in denen autonomes Fahren und Flugtaxis zur Normalität werden. Intelligente Verkehrskonzepte wie flexible Ampelsysteme, die Staus verhindern, werden bereits erprobt.

Stadtbäume der Zukunft:

Bäume leiden auch unter Hitze und Trockenheit. Wissenschaftler suchen deshalb nach den anpassungsfähigsten Baumarten für Städte. In einem Modellprojekt über Stadtbäume der Zukunft fanden sie heraus, dass sich Baumarten in den verschiedenen Städten unterschiedlich gut an hohe Temperaturen anpassen. Untersuchungen zeigten, dass rund 40 Prozent Grünflächen den Hitzestress im Sommer auf die Hälfte reduzieren können. Demnach sei es aber wichtig, neben Bäumen auch andere Pflanzen einzusetzen, da Baumkronen an bestimmten Stellen in der Stadt verhindern können, dass sich schadstoffreiche Luft richtig vermischt.

Video: Warum Bäume im Hitzestress sind

Klimawandel: Individuelle Lösungen für jede Stadt

Die Beispiele machen deutlich, dass für jede Stadt ein individuelles Konzept sinnvoll sein kann. Experten arbeiten auch daran, bei Neubauten Aspekte wie Brandschutz und optimale Bepflanzungen mitzudenken und bei älteren Gebäuden sinnvoll zu ergänzen. Fakt ist: Durch einen ungebremsten Klimawandel werden die Temperaturen weiter steigen - auch in eurer Stadt.