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Traum und Albtraum Wie das Träumen funktioniert

Alle Menschen träumen: Zwischen fantastischen Begebenheiten und den fiesesten Horrorszenarien - alles kann nachts in den Träumen passieren. Aber sind Träume Botschafter des Unterbewusstseins oder nur Abfallprodukte des schlafenden Gehirns?

Stand: 20.12.2022

Träume sind eine allnächtliche Angelegenheit: Jeder Mensch träumt, auch wenn sich nicht jeder Mensch am nächsten Tag an die Träume erinnert. Geträumt wird übrigens in jeder Phase des Schlafes - aber besonders viel und besonders lebhaft in der REM-Phase des Schlafes. Die tritt hauptsächlich in der zweiten Nachthälfte auf. In dieser Phase ist das Gehirn genauso aktiv wie während der Wachphasen am Tag. Der Körper hingegen ist wie gelähmt, alle Muskeln sind erschlafft - was praktisch ist, denn ansonsten würden der eine oder andere vielleicht mitten im Traum aus dem Bett plumpsen.

Träume gehören zum Schlaf einfach dazu!

Klar ist: Menschen träumen. Ob auch Tiere träumen, ist nicht abschließend geklärt, was hauptsächlich daran liegt, dass man sie nicht fragen kann. Das ist überhaupt das Problem der Traumforschung: Üblicherweise lassen sich Träume nur untersuchen, indem man einen Träumenden weckt und fragt.

Warum träumen Menschen?

Es gibt verschiedene Hypothesen, was das mit dem Träumen soll: Evolutionsbiologische Theorien versuchen im Träumen eine Überlebensstrategie zu sehen. Im Traum kann der Mensch Angst üben und so auch in einer realen Situation angemessen reagieren. Wenn man Angst hat und schnell weglaufen kann, hat man eine höhere Überlebenschance. Heute vermuten einige Psychologinnen und Psychologen, dass Träume beim Problemlösen helfen: Im Traum werden alte Informationen mit neuen gemischt, sodass es zu kreativen Lösungen kommen kann. Das Stichwort liegt hier auf "kreativ": Denn Träume werden oft von Emotionen und Gefühlen gesteuert und beziehen sich oft auf das, was wir erleben und was uns beschäftigt.

Andere Forscher nehmen an, dass Träume einfach Abfallprodukte der nächtlichen Hirntätigkeit sind. Es ist gut belegt, dass während des Schlafes Gedächtniskonsolidierung stattfindet: Dinge, die tagsüber gelernt werden, werden im Schlaf weiterverarbeitet und abgespeichert. Ob das Träumen dabei eine Rolle spielt, ist ungeklärt. Und diese Prozesse laufen ab, egal, ob man sich morgens an Träume erinnert oder nicht.

Alles nur geträumt?

Vom Traum zum Albtraum

Der Begriff Albtraum

Der Begriff wird auf Alben - Elfen aus der germanischen Mythologie - zurückgeführt. Sie sollen für Träume zuständig gewesen sein. Man stellte sich gern vor, wie sie auf der Brust des Schlafenden hocken - was auch die ältere Bezeichnung "Albdruck" erklärt.

Albträume quälen jeden ab und an: Fünf bis zehn Prozent aller gesunden Erwachsenen leiden unter wiederkehrenden Albträumen, traumatisierte oder kranke Menschen noch viel häufiger. In vielen Albträumen tauchen unbekannte Wesen auf, Monster oder ähnlich unnatürliche, bösartige Kreaturen. Sie jagen die Träumenden und wecken eine existentielle Angst, die sie schweißgebadet und mit rasendem Herzen aufwachen lassen.

Wie gelähmt vom Albtraum

Solche Albträume treten fast immer während der sogenannten REM-Schlafphase (Rapid Eye Movement) auf: Das Gehirn ist hochaktiv, während alle Muskeln entspannt sind, nur die Augäpfel rollen hinter den Lidern noch hin und her. Das ist nicht nur gut fürs Träumen, sondern auch beim Träumen: Dieses Außerkraftsetzen des Körpers verhindert, dass sich der Träumer beim Kampf mit dem Dämon verletzt.

Gruselig ist vielleicht nur die Farbe des Nagellacks: In Albträumen können Monster auftauchen - oder ihr könnt nackig vor euren Kollegen stehen.

Manchmal schlägt sich sogar die Muskelentspannung selbst im Traum nieder: Wenn der Träumer vor dem Schreckgespenst fliehen will, aber wie festbetoniert stehen bleibt; wenn er um Hilfe schreien will, aber stumm bleibt; oder wenn ihm wahlweise das Monster oder die Angst davor die Luft zum Atmen nimmt. In der REM-Phase sind sogar die Atemmuskeln gehemmt, schnelles Atmen ist unmöglich. Die Biologie dieser Schlafphase kann das Durchlebte also noch verstärken - ein Albtraum im Albtraum.

Frauen, Kinder und Jugendliche träumen häufiger schlecht

Hoffentlich ist es kein Albtraum: Kinder und Jugendliche haben im Vergleich zu Erwachsenen mehr Albträume.

Frauen leiden bis zu dreimal häufiger unter Albträumen als Männer. Am schlimmsten betroffen sind allerdings Kinder und Jugendliche. Kinder - genau wie Erwachsene - verarbeiten im Schlaf Wünsche, Sorgen, aber auch Ängste. Allerdings können Kinder noch nicht so gut mit Ängsten umgehen. Alles was neu und unbekannt ist, wirkt auf sie bedrohlich und kann zur Vorlage für nächtliche Horrorfantasien werden.

Während Albträume zum Träumen dazugehören, ist auch hier das Maß entscheidend: Wenn ihr jede Nacht von Albträumen heimgesucht und gequält werdet, kann das zu Schlafstörungen und dadurch tagsüber zu verminderter Leistungsfähigkeit bis hin zu Depressionen führen. Auch für die Gesundheit können regelmäßige Albtraum-Attacken belastend sein. In so einem Fall ist therapeutische Hilfe wichtig: Auf zum Arzt!

Pro Tipp: Möglichst entspannt ins Bett

Bei gelegentlichen Albträumen helfen einfache Rituale vor dem zu Bett gehen. Ob das heiße Milch mit Honig ist, ein Entspannungsritual, baden, lesen, spazieren gehen oder die Beschäftigung mit anderen Dingen: Wichtig ist, mit anderen Gedanken ins Bett zu gehen, frei von Belastungen und Sorgen des Tages.

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