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Bandscheibenvorfall Das passiert dabei in der Wirbelsäule

Die Ursache von Rückenschmerzen muss nicht, kann aber ein Bandscheibenvorfall sein. Wie kommt es dazu? Welche Symptome sind bei einem Bandscheibenvorfall typisch und wie kann man am besten vorbeugen?

Stand: 13.03.2024

Rückenschmerzen: Bandscheibenvorfall - was tun?

Ein Bandscheibenvorfall ist eine häufige Diagnose bei Rückenschmerzen. Doch was passiert da eigentlich genau? Rutscht etwa die ganze Bandscheibe zwischen den Wirbeln heraus?

Was sind die Bandscheiben?

Normalerweise sind unsere Bandscheiben nicht zu spüren, obwohl wir ohne sie keinen Schritt tun könnten. Die 23 ringförmigen Bandscheiben befinden sich zwischen den einzelnen Wirbeln in unserer Wirbelsäule. Sie sorgen für die Federung der Wirbelsäule, fangen Belastungen ab und schützen das Knochenmaterial. Der gallertartige Innenkern einer Bandscheibe ist von einem Faserring umgeben. Nachts, während der Mensch ruht, rüstet sich die Bandscheibe für die spätere Phase der Bewegung. Die Gallertmasse saugt sich mit Gewebeflüssigkeit voll und wird prall-elastisch.

Bandscheibenvorfall - das passiert im Körper

Aufbau eines Wirbels mit Bandscheibe

Im Laufe des Lebens lässt beim Menschen die Fähigkeit der Bandscheibe nach, Flüssigkeit zu binden. Wenn die Wirbelsäule einer Fehlbelastung ausgesetzt ist, wie zum Beispiel einer krummen Körperhaltung, kann der Faserring der Bandscheibe einreißen. Quillt Kernmasse nach außen, spricht man von einem Bandscheibenvorfall. Dabei wird der Wirbelkanal (vorübergehend) eingeengt.

Was sind die Symptome bei einem Bandscheibenvorfall?

Viele Menschen, die einen Bandscheibenvorfall erleiden, wissen nichts davon. Erst wenn die Gallertmasse auf einen Nerv drückt, kann es zu Entzündungen und starken Schmerzen kommen. In einigen Fällen wird auch das Nervensignal zu den Muskeln oder der Blase abgeschwächt und es kommt zu einer Muskel- oder Blasenlähmung. In diesem Fall kann eine Operation nötig sein.

Möglich ist auch, dass ein Faserring zwar nicht einreißt, aber vorgepresst wird. Eine Vorwölbung der Bandscheibe ist kein Bandscheibenvorfall, verursacht aber oft beträchtliche Schmerzen und strahlt auf beide Beine aus. Meist geht so eine Vorwölbung aber nach einigen Wochen wieder zurück.

Rückenschmerzen: Bandscheibenvorfall oder Hexenschuss?

Beim Hexenschuss kommt es im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall zu einem Reizzustand der kleinen Wirbelgelenke oder des Darm-Kreuzbeingelenks. Meist wird diese Reizung durch Fehlbelastungen oder eine akute Überbeanspruchung ausgelöst. Welche Ursache Ihren Rückenschmerzen zugrunde liegt, sollten Sie am besten mit einem Arzt klären.

Rückenschmerzen: Die fünf großen Rücken-Irrtümer

Wie kann man einem Bandscheibenvorfall vorbeugen?

Selbst ein starker Rücken hält nicht alles aus. Bücken und Heben belasten die Wirbelsäule, und wer den ganzen Tag im Sitzen verbringt, hat häufig mit Rückenschmerzen zu tun. Die richtige Haltung im Alltag hilft, Rückenschmerzen zu vermeiden.

Gegen Rückenschmerzen und zur Vorbeugung helfen viel Bewegung und spezielle Rückenübungen, denn die Bandscheiben ernähren sich wie ein Schwamm: Bei jedem Schritt werden die Scheiben zusammengepresst, beim Ausdehnen saugen sie Nährstoffe auf. So leben sie quasi von der Bewegung - und damit ist chronischer Bewegungsmangel Gift für die Bandscheiben. Es reichen schon einige Minuten Training pro Tag und Ihr Rücken wird stärker.

Die richtige Matratze, um Rückenschmerzen vorzubeugen

Wann haben Sie zuletzt Ihre Matratze ausgetauscht? Was viele nicht wissen: Auch alte Matratzen können zu Rückenschmerzen führen. Immerhin verbringt man circa 2.500 Stunden pro Jahr im Bett!

Therapie nach dem Bandscheibenvorfall

Wenn ein Patient nach einem Bandscheibenvorfall Beschwerden wie Schmerzen oder Taubheitsgefühle hat, ist eine Therapie ratsam. Patienten ohne weitere neurologische Ausfälle beginnen in der Regel mit Schmerzmitteln und konservativen Therapien wie Krankengymnastik, Akupunktur oder Schmerztherapie. Erst wenn das nicht hilft, kann man weitere Therapien mit dem Arzt diskutieren.

Bandscheibenvorfall: Bandscheibenvorfall der Brustwirbelsäule

Bandscheibe operieren oder nicht?

Zahlreiche Studien haben untersucht, welche Behandlungsmethode nach einem Bandscheibenvorfall effektiver ist: eine Operation oder eine konservative Therapie. Das Ergebnis: Mit konservativen Verfahren hat man ähnliche Erfolgschancen, wie mit einer Operation. Eine Garantie auf Beschwerdefreiheit gibt es in beiden Fällen allerdings nicht.

Zwingende Gründe für eine Operation sind dauerhafte und nicht beherrschbare Schmerzen - trotz der Ausschöpfung aller konservativen Methoden. Die gängige Operationsmethode bei Bandscheibenvorfällen ist die operative Entfernung von ausgetretenem Bandscheibengewebe über einen wenige Zentimeter langen Schnitt unter dem Mikroskop.

Kauda-Syndrom: gefährlichste Form des Bandscheibenvorfalls

Eine Quetschung der Nerven im unteren Teil des Rückenmarks bezeichnet man als Kauda-Syndrom. Die Symptome sind auffällig: Die Haut wird taub, gleichzeitig kann die Entleerung von Blase und Mastdarm nur eingeschränkt oder gar nicht mehr kontrolliert werden. Ursache dafür ist ein Bandscheibenvorfall in der unteren Wirbelsäule, bei dem die Bandscheibe so weit herausgedrückt wird, dass sie alle vorbeiziehenden Nerven abdrückt.

Das Kauda-Syndrom ist die gefährlichste Form eines Bandscheibenvorfalls. Es muss sofort operiert werden. Sonst können die Nerven irreparabel geschädigt werden - und Patienten haben ihr Leben lang mit Einschränkungen zu kämpfen.

Sendungen zum Thema Rückenschmerzen und Bandscheibenvorfall


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