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Vollmond oder Mondsichel? Der Mond & seine Reise im August

Er ist immer der Gleiche, doch Nacht für Nacht sieht er etwas anders aus: unser Mond. Er wandert quer durch die Sternbilder übers Firmament - mal als Sichel, mal als Vollmond. Der aktuelle Mondkalender für August mit den Mondphasen und den schönsten Begegnungen.

Von: Heike Westram

Stand: 01.08.2022

Vollmond über der Veste Otzberg im Odenwald; Aufnahme mit 500er Brennweite aus ca. 4 km Entfernung, um Mond und Veste scharf zu bekommen. | Bild: Rudolf Happel

Im August taucht der Mond zunächst abends als junge Mondsichel im Westen auf, die anschließend durch die tiefstehenden Sommersternbilder und quer über die Milchstraße wandert. Der tiefstehende und relativ große Vollmond in der Nacht auf den 12. August ist ganz dicht beim Planeten Saturn zu sehen, anschließend begegnet der wieder abnehmende Mond noch den Planeten Jupiter und Mars. Gegen Ende August strahlt die dünne Mondsichel morgens dicht bei der Venus und taucht nach Neumond wieder als junge Sichel abends im Westen auf.

DatumUhrzeitMondphase
05.08.2213.07 Uhrzunehmender Halbmond
12.08.2203.36 UhrVollmond
19.08.2206.36 Uhrabnehmender Halbmond
27.08.2210.17 UhrNeumond

Wenn am 1. August gegen neun Uhr abends die Sonne untergeht, steht der Mond als junge, zarte Mondsichel im Westen, gut anderthalb Handbreit über dem Horizont. Er befindet sich zwischen den beiden großen Frühlingssternbildern Löwe und Jungfrau, die aber nicht zu sehen sind. Denn wenn gegen elf Uhr der Himmel endlich dunkel genug für Sternbilder geworden ist, gehen Mond und Löwe bereits unter und auch die Jungfrau steht schon zu tief.

Da der Mond sich so früh zurückzieht, lohnen sich die ersten Nächte im August besonders, lichtschwächere Objekte am Sternenhimmel zu beobachten: die Milchstraße, einzelne Sternschnuppen, zarte Sternbilder oder die fernen Planeten. Doch allabendlich bleibt der Mond ein wenig länger am Abendhimmel, während er sich auf seiner Reise um die Erde aus unserer Sicht von der Sonne immer weiter entfernt und die Mondsichel langsam anwächst.

Weil aber die Mondbahn derzeit abends im Westen sehr flach zum Horizont verläuft, gewinnt die Mondsichel nur wenig an Höhe und die Sternbilder, durch die sie wandert, bleiben im dämmrigen Horizontdunst größtenteils verborgen. Der zunehmende Halbmond am 5. August zieht durch die eher unscheinbare Waage und geht um Mitternacht unter. 

Am 6. August ist der Mond im Sternbild Skorpion angekommen, das nur jetzt in den Sommernächten gut zu sehen ist. Den hellsten Stern des Skorpions, sein Herz Antares, finden Sie knapp vier Fingerbreit links vom Mond. Die Scheren des Tiers werden dagegen vom Mond überstrahlt.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Ihr leuchtender Bogen ist wieder zu sehen, wenn sich der Mond entfernt hat. Am 7. August steht der Mond gut drei Fingerbreit links über Antares, danach zieht er über die Milchstraße, deren breiteste Stelle im August toll zu sehen ist - wenn der Mond weit weg ist.

Am 7. August lohnt es sich, den Mond selbst genau unter die Lupe zu nehmen und ein Fernglas auf ihn zu richten. Oben an der Licht-Schatten-Grenze zeigt die Mondscheibe ein kleines, schönes Detail: den Goldenen Henkel. Am Rande der unbeleuchteten Mondhälfte wird ein hoch liegender Kraterrand von der Sonne angestrahlt, der wie ein kleiner Tassenhenkel an der beleuchteten Mondhälfte haftet: Sonnenaufgang über dem sechstausend Meter hohen Jura-Gebirge des Mondes! Die Regenbogenbucht rechts darunter liegt dagegen noch im Schatten.

In den folgenden Nächten zieht der Mond von der Milchstraße weiter, wandert durch den Schützen und wendet sich dem Steinbock zu, während seine Scheibe immer weiter zunimmt. Hoch über dem Mond strahlt das Sommer-Dreieck, gebildet aus den hellsten Sternen von Leier, Schwan und Adler.

Der Vollmond in der Nacht vom 11. auf den 12. August geht um 20.53 Uhr auf, knapp zwanzig Minuten nach Sonnenuntergang. Erst gegen sechs Uhr, wenige Minuten vor Sonnenaufgang, geht er am 12. August wieder unter. Da er auf seiner elliptischen Bahn um die Erde tags zuvor am erdnächsten Punkt, dem Perigäum, war, ist die Mondscheibe etwas größer und heller als normal.

Riesiger Vollmond am Horizont

Doch so richtig groß erscheint sie Ihnen im Sommer aus einem anderen Grund: Wie die tiefe Wintersonne bleibt der Sommer-Vollmond lange sehr nah am Horizont. Und die Horizontnähe lässt ihn bei geeigneter Perspektive viel größer wirken, als er ist. Da schlägt eine optische Täuschung zu, die Mondtäuschung. Das folgende Video erklärt genau, was da in unserem Hirn passiert.

Mond bei Saturn und Jupiter

Dicht beim Vollmond, nur rund drei Fingerbreit links über ihm, können Sie in der Nacht vom 11. auf den 12. August ein besonderes Licht finden, falls der Himmel klar genug ist: Saturn, den Ringplaneten im Sternbild Steinbock. Je mehr Feuchtigkeit in der Luft ist, je dunstiger der Himmel, umso mehr "verschwimmt" das Mondlicht und streut so weit, dass es Saturn überstrahlen könnte. In der folgenden Nacht geht's schon besser: Jetzt steht der Mond eine gute Handbreit von Saturn entfernt, links unter ihm. Und es wartet schon eine ganze Reihe weiterer Planeten auf eine Begegnung mit dem Mond, der langsam abnimmt und jeden Abend rund zwanzig Minuten später aufgeht als am Abend zuvor.

Jupiter im Mondlicht

Am 14. und 15. August ist der Mond nahe beim größten Planeten Jupiter. Der ist so hell, dass er das Mondlicht nicht fürchten muss. Am ersten Abend steht der Mond vier Fingerbreit rechts unter dem Planeten, am folgenden Abend drei Fingerbreit links unter ihm. Anschließend wandert der Mond weiter durch das große, aber schwer wahrnehmbare Sternbild Fische und in der Nacht vom 17. auf den 18. August unter dem markanten Bogen des Widders hindurch.

Mond bei Mars

Der Mond zieht sich immer weiter in die zweite Nachthälfte zurück. In der Nacht vom 18. auf den 19. August erscheint der abnehmende Halbmond erst um 23.16 Uhr, ganz dicht beim nächsten Planeten in der langen Reihe: Keine drei Fingerbreit links unter dem Mond können Sie unseren Nachbarplaneten Mars sehen und links über diesem das schimmernde Siebengestirn im Sternbild Stier. In der folgenden Nacht auf den 20. August ist der Mond an Mars schon vorübergezogen und taucht links von dem Planeten auf, gut drei Fingerbreit entfernt.

Siebengestirn

Das markante V des Stierkopfs mit dem hellen Auge Aldebaran ist in dieser Nacht genau unter dem Mars. Im Mondlicht ist es nicht so gut zu sehen, aber merken Sie sich die Stelle und schauen Sie in ein paar Tagen nochmal dorthin. Wenn Sie den Stier einmal erkannt haben, werden Sie das Sternbild immer leicht wiederfinden. In der folgenden Nacht hat die Mondsichel schon fast die Spitzen der Stierhörner erreicht und steht mitten im Wintersechseck. Bis um fünf Uhr die Morgendämmerung merklich einsetzt, ist dieses schon zur Gänze aufgegangen, mit den hellsten Sternen des Firmaments.

In den kommenden Nächten kreuzt der Mond mit immer dünner werdender Sichel quer durch die Zwillinge und steht in den Morgenstunden des 24. August in einer Linie unter dessen beiden hellsten Sternen Kastor und Pollux. Inzwischen geht seine schon sehr dünne Sichel erst nach halb drei Uhr morgens auf und wird Ihnen eher am frühen Morgen auffallen, falls Sie zeitig unterwegs sind. Und das lohnt sich in den folgenden Tagen besonders.

Mond bei der Venus

Morgens am 25. August erscheint die Mondsichel erst gegen vier Uhr im Osten am Horizont. Eine Stunde später folgt ihr ein gewaltiges Licht: Die Venus geht gegen fünf Uhr auf, an diesem Morgen genau unter der Mondsichel, eine knappe Handbreit entfernt. Unser innerer Nachbarplanet ist so hell, dass er schon kurz nach dem Aufgang sichtbar wird. Erst nach sechs Uhr wird die Morgendämmerung zu hell für die Venus.

Mondsichel & Venus

Am Morgen des 26. August ist der Anblick noch schöner: Die Mondsichel - nur noch ein zarter Strich - steht genau links der Venus, etwa zwei Fingerbreit entfernt. An diesem Morgen ist der Mond letztmals zu sehen, bevor unser Begleiter als Neumond am 27. August zwischen Erde und Sonne hindurch wandert und im Sonnenlicht verborgen bleibt.

junger Mond im Westen

Schon einen Abend später, am 28. August, könnten Sie die Mondsichel vielleicht erstmals wieder sehen. Wenn die Bedingungen perfekt sind und weder Licht noch Dunst die Sicht trüben. Wieder steht der Mond tief im Westen zwischen den beiden Sternbildern Löwe und Jungfrau, wo er Anfang August seine Reise über den Sternenhimmel begonnen hat. Er geht schon gegen neun Uhr unter und bleibt auch an den letzten Augusttagen nur wenig länger zu sehen, während er sich auf den Weg zu einer neuen Runde macht.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für München

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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