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Mars in Opposition Alle Planeten im Dezember sichtbar

Im Dezember können Sie alle Planeten des Sonnensystems am Abendhimmel entdecken. Für ein paar müssen Sie allerdings sehr schnell sein, bei anderen genau wissen, wann sie zu sehen sind. Einen werden Sie aber sicher nicht übersehen: Mars ist jetzt so groß und hell wie selten.

Von: Heike Westram

Stand: 01.12.2022

Schon bald nach dem frühen Sonnenuntergang im Dezember tauchen gleich drei helle Planeten am Abendhimmel auf: Saturn, Jupiter und Mars, der jetzt besonders hell und groß ist. Sobald es richtig finster geworden ist, sind zwischen den dreien auch die beiden fernen Riesen Neptun und Uranus zu finden. Doch für einen Teil dieser Planeten wird die Zeit knapp, sie gehen immer früher unter. Zum Ausgleich tauchen gegen Ende des Jahres gleich zwei Abendsterne auf: Venus und Merkur sind, dicht nebeneinander, für ein paar Tage je einen Moment lang zu entdecken.

Der Nachthimmel im Dezember gehört Mars, unserem Nachbarplaneten im Sonnensystem. Denn Mars steht am 8. Dezember 2022 in Opposition. Das ist der Moment, bei dem die Erde den äußeren Planeten auf der Innenbahn überholt und ihm maximal nahe kommt. Dadurch ist Mars besonders hell und groß und fällt am Nachthimmel enorm auf. Sogar seine rötliche Farbe ist in klaren Nächten zu erkennen.

Weil Mars aus unserer Sicht zur Opposition der Sonne genau gegenüber steht, ist er - wie ein Vollmond - die ganze Nacht am Firmament zu sehen: Früh am Abend im Osten, in tiefer Nacht sehr hoch im Süden und morgens dann im Westen. Übrigens: Genau zur Opposition wird der Vollmond dicht bei Mars stehen und ihn morgens sogar bedecken (dazu mehr weiter unten).

Während die anderen äußeren Planeten einmal im Jahr in Opposition stehen, kommt die Erde Mars nur alle zwei Jahre nah. Denn Mars rennt der Erde auf dem Weg um die Sonne so flott hinterher, dass wir ihn nur alle zwei Jahre einholen.

In Erdnähe - so hell, so groß, so nah ist Mars im Dezember

So weit weg

Das Licht ist
1,3 Sekunden vom Mond,
3,5 Minuten von Mars,
8,3 Minuten von der Sonne,
4,2 Jahre vom nähesten Stern (Proxima Centauri)
bis zur Erde unterwegs.

"Nur" rund 80 Millionen Kilometer ist Mars zur Opposition am 8. Dezember von der Erde entfernt. Das ist im Vergleich zu seiner weitesten Entferung von der Erde - knapp 400 Millionen Kilometer, wenn Mars aus unserer Sicht hinter der Sonne vorbeizieht - sehr nah. Und das werden Sie sofort merken:

Mars und Sirius

Das Planetenscheibchen ist gewachsen und misst im scheinbaren Durchmesser mehr als 17 Bogensekunden - um die Hälfte mehr als noch Anfang Oktober. Und seine scheinbare Helligkeit steigert sich zur Opposition auf -2,0 mag - damit ist Mars heller als Sirius, der hellste Stern am Firmament. Das ist schön zu sehen, denn Mars steht am Firmament gerade über Sirius, der in später Nacht über den Horizont kommt.

Der rote Planet Mars

Diese enorme Größe und Helligkeit erreicht Mars nur an den Tagen um seine Opposition. Anschließend wächst unsere Entfernung zu Mars so schnell, dass er schon bis zum Monatsende wird deutlich dunkler (noch -1,2 mag) und kleiner (noch 15 Bogensekunden) ist.

Mars im Dezember

Diese zunehmende Entfernung können Sie auch am Weg des Mars durch die Sternbilder beobachten: Mars zieht im Dezember sehr flott rechtswärts durch das Sternbild Stier, auf den Sternhaufen der Plejaden zu. Rechts unter Mars sehen Sie ein auffälliges, liegendes V: Das ist der Stierkopf mit dem hellen Auge Aldebaran. An ihm können Sie die Bewegung des Mars gut verfolgen. Ende Dezember steht Mars fast genau über Aldebaran, nur vier Fingerbreit entfernt. Aldebaran gehört zum mächtigen Wintersechseck, das den Mars mit vielen hellen Sternen umringt.

Der Mond ist am 7. und 8. Dezember nur wenige Fingerbreit von Mars entfernt. An beiden Abenden sieht der Mond voll aus: Der genaue Vollmond-Termin ist morgens am 8. Dezember. Und der ist nicht nur ganz dicht bei Mars, er bedeckt ihn sogar für eine Stunde. Um 6.07 Uhr können Sie zusehen, wie sich der Mond von rechts her über den Mars schiebt. Eine Stunde später taucht Mars am rechten Rand des Mondes wieder auf (Zeiten für München).

Ihre schönsten Planeten-Fotos

Saturn und Jupiter Anfang Dezember

Zeitgleich mit Mars sind am frühen Abend noch etliche andere Planeten zu sehen: Viele Monate lang haben uns Jupiter und Saturn durch die Nacht begleitet, jetzt nehmen sie allmählich Abschied. Beide sind schon ab etwa fünf Uhr abends in der frühen Dämmerung zu sehen. Jupiter ist immer noch das hellste natürliche Objekt am Firmament nach Sonne und Mond. Er ist sogar noch etwas heller als Mars. Der größte Planet im Sonnensystem bleibt Anfang Dezember bis ein Uhr nachts sichtbar, am Monatsende noch bis kurz nach elf Uhr.

Pi mal Daumen: Maßnehmen am Firmament

Saturn, vier Handbreit rechts von Jupiter und deutlich blasser, ist dagegen nur noch am früheren Abend zu sehen. Um neun Uhr versinkt er in den Dunstschichten am Horizont, Ende Dezember schon zwei Stunden eher.

Mondsichel bei den beiden Planeten

Der Mond steht am 1. und 2. Dezember dicht bei Jupiter, jeweils nur zwei, drei Fingerbreit entfernt (siehe Sternkarte im vorausgehenden Absatz).

Saturn und Jupiter Ende Dezember

Ende Dezember kommt er noch einmal vorbei. Weihnachten taucht die hauchdünne Mondsichel bei Saturn auf und passiert ihn am 26. Dezember mit nur gut zwei Fingerbreit Abstand. Drei Abende später steht der Halbmond dann keine zwei Fingerbreit entfernt von Jupiter und strahlt mit ihm um die Wette.

Neptun

Auch für Neptun sollten Sie die frühen Dezembernächte nutzen, denn der ferne Gasplanet ist abends nur noch bis etwa elf Uhr (Anfang Dezember) bzw. neun Uhr (Ende Dezember) hoch genug über dem Horizont. Der äußerste Planet im Sonnensystem ist so weit entfernt, dass sein schwaches Licht nur mit einem Teleskop oder lichtstarkem Fernglas mit Stativ zu finden ist. Etwas Übung, eine klare Nacht und ungestörte Dunkelheit brauchen Sie auch dazu.

Neptuns scheinbare Helligkeit erreicht nur 7,8 mag, sein scheinbarer Durchmesser gerade mal 2,3 Bogensekunden. Anfang und Ende Dezember ist jeweils der Mond zu nahe und stört die Beobachtung mit seinem Licht.

Sie finden Neptun ganz in der Nähe des hellen Jupiters, nur drei bis vier Fingerbreit rechts von ihm. Die genaue Position sehen Sie in den obigen Sternkarten.

Wenn Sie schon mit einem Teleskop auf der Suche nach Neptun unterwegs sind, dann können Sie auch nach seinem Nachbarn Uranus Ausschau halten. Uranus ist der Erde zwar näher und mit einer scheinbaren Helligkeit von 5,7 mag theoretisch noch mit bloßem Auge sichtbar. Doch praktisch sind dafür die Bedingungen selten ideal genug.

Uranus im Teleskop

Gegen halb sieben Uhr abends ist es im Dezember dunkel genug, um Uranus zu beobachten. Am Monatsanfang können Sie ihn bis morgens gegen fünf Uhr finden, Ende Dezember nur noch bis Viertel vor drei Uhr, danach steht Uranus zu tief. Sie finden Uranus unter dem markanten Bogen des Sternbilds Widder, rechts des Siebengestirns. Die Sternkarte zu Mars weiter oben zeigt auch die Position von Uranus. Vom 3. bis 7. Dezember ist der Mond zu nahe: Sein helles Licht überstrahlt Uranus und erschwert die Suche enorm.

Die beiden letzten noch fehlenden Planeten tauchen zum Jahresende auch noch auf: Die zwei inneren Planeten Venus und Merkur. Allerdings ist es nicht ganz einfach, sie zu sichten. Sie müssen genau wissen, wann und wo.

Die Venus ist die auffälligere der beiden. Ab dem 20. Dezember könnte sie tief im Südwesten zu sehen sein. Mit einer scheinbaren Helligkeit von -3,9 mag ist die Venus viel, viel heller als Jupiter und Mars links über ihr. Deshalb schält sie sich auch schon eine gute Viertelstunde nach Sonnenuntergang aus der Dämmerung. Allerdings steht sie jetzt, zu Beginn ihrer Sichtbarkeitsperiode, schon ganz knapp über dem Horizont und geht schnell unter. Bis etwa halb sechs Uhr könnte sie Ende Dezember zu sehen sein. So dicht bei der gerade untergegangenen Sonne ist sie trotz ihrer Helligkeit viel schwerer zu entdecken als Jupiter und Saturn. Nur bei einem klaren Horizont werden Sie die Venus finden. Und dann lohnt es sich, ein Fernglas zur Hand zu nehmen, denn dicht bei der Venus ist ihr Nachbar Merkur.

Venus und Merkur Ende Dezember

Etwa vom 20. bis 26. Dezember taucht Merkur tief im Südwesten in der Abenddämmerung auf, nur wenige Fingerbreit von der Venus entfernt. Da seine scheinbare Helligkeit selbst in diesen wenigen Tagen von -0,5 mag rapide auf +0,1 mag sinkt, ist er womöglich nur im Fernglas zu sehen.

Am 24. Dezember hilft Ihnen die Mondsichel bei der Suche nach Merkur. Allerdings wird auch der Mond nur unter sehr guten Bedingungen sichtbar: außerhalb der Stadt mit freier Sicht auf einen klaren Horizont. Dann steht die Mondsichel zweieinhalb Fingerbreit unter Merkur. Von der Venus ist sie fast gleich weit weg. Venus, Mondsichel und Merkur bilden ein gleichschenkeliges, spitzes Dreieck. Am 25. Dezember ist der Mond deutlicher zu sehen, dann aber schon etwa anderthalb Handbreit links über den beiden innersten Planeten, auf dem Weg zu Saturn.

Nach diesen wenigen Tagen können Sie Merkur kaum noch ausmachen, zu blass steht er am noch hellen Himmel. Mit einem Fernglas können Sie es noch einmal abends am 28. und 29. Dezember versuchen. Dann ist die Venus dicht unter Merkur, weniger als einen Fingerbreit entfernt. Erst rechts unter ihm, am zweiten Abend dann links unter ihm.

Im Gegensatz zu Merkur bleibt die Venus ab jetzt viele Monate lang am Abendhimmel und wird immer prächtiger werden. Erst im Frühsommer erreicht sie ihren größten seitlichen Abstand zur Sonne aus unserer Sicht.

Zeitangaben im "Sternenhimmel"

Auf- und Untergangszeiten für München

Alle Zeitangaben sind für den Standort München berechnet. Insbesondere bei Auf- und Untergangszeiten müssen Sie für andere Orte in Deutschland einige Minuten hinzuzählen oder abziehen.
Faustregel: Pro Längengrad ostwärts ziehen Sie vier Minuten ab, westwärts zählen Sie pro Grad vier Minuten dazu.
Die Abweichung pro Breitengrad ist dagegen abhängig von Jahreszeiten und Himmelsrichtung des beobachteten Objekts. Im extremsten Fall - etwa dem Sonnenaufgang im Winter - weichen die Zeiten im äußersten Norden Deutschlands um etwa eine halbe Stunde ab.


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