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Planet Venus Unser Abend- und Morgenstern

Die Venus nimmt eine Sonderstellung unter den Planeten ein: Regelmäßig wechselt sie von ihrer Rolle als Abendstern zum Morgenstern und zurück. Dabei durchläuft sie Phasen wie der Mond. Und nach ihm ist die Venus das hellste Objekt am Abendhimmel.

Stand: 17.10.2022 | Archiv

Scheinbar heller und größer als jeder andere Stern: unser Nachbarplanet Venus. Wenn sie weit genug von der Sonne entfernt ist wird sie sogar tagsüber sichtbar.  | Bild: NASA

Die Venus ist oft der strahlendste "Stern" am ganzen Firmament - so hell und groß wie kein anderer. Dabei ist sie mit etwa 12.100 Kilometern Durchmesser kleiner als die Erde. Doch bei ihrer größten Annäherung rückt sie auf vierzig Millionen Kilometer an uns heran - näher kommt uns von den größeren Objekten nur der Mond. Unser zweiter, äußerer Nachbar Mars ist mindestens 15 Millionen Kilometer weiter entfernt - und viel kleiner. Die Venus erreicht eine enorme scheinbare Größe zwischen zehn und sechzig Bogensekunden (60'') - je nach Entfernung zur Erde. Damit erscheint sie nach Mond und Sonne als größtes Objekt am Himmel und übertrifft sogar Jupiter, dessen Durchmesser in Wirklichkeit zwölfmal größer ist.

Heller als alle Sterne

Schon in der Dämmerung gut zu sehen: die Venus.

Die Venus ist eines der auffälligsten Objekte am Himmel - und nach Sonne und Mond auch das hellste: Ihre dichte Wolkendecke reflektiert 76 Prozent des auftreffenden Sonnenlichts - eine Albedo von 0,76. Die Rückstrahl-Fähigkeit von frischem Schnee ist mit 0,9 nur wenig höher. So erreicht die Venus eine scheinbare Helligkeit von -4,4 mag - und ist damit um vier Größenklassen heller als Sirius, der hellste Stern unseres Firmaments (-1,4 mag). So hell, dass ihr die Venus sogar tagsüber am Himmel finden könnt, wenn die Sonne weit genug von ihr entfernt ist. Sie ist das erste sichtbare Gestirn in der Abenddämmerung und das letzte vor Sonnenaufgang - mal Abendstern, mal Morgenstern.

Was die Venus so hell macht

Tief in der Nacht ist die Venus nie zu sehen, dafür ist sie zu nahe an der Sonne: Aus unserem Blickwinkel entfernt sie sich maximal 48 Grad von ihr - und kann ihr so bis zu vier Stunden vorauseilen oder nachfolgen auf der täglichen Bahn über den Himmel. Verläuft die Planetenebene (Ekliptik) dann gerade sehr steil zum Horizont, kann die Venus aber auch noch zu sehen sein, wenn es schon recht dunkel wird und sie vielleicht sogar noch oberhalb der Dunstschichten am Horizont steht. Dann wird ihre starke Helligkeit erst so richtig wahrnehmbar.

Durch alle Sternbilder

Von der Oberen zur Unteren Konjunktion

Die Venus begleitet die Sonne auf ihrer jährlichen Reise durch alle Tierkreisbilder, doch in eigenem Tempo: Zwischen westlicher und östlicher Elongation wandert sie schneller als die Sonne nach Osten, dann langsamer. Ihr findet die Venus immer in der Nähe der Sonne - höchstens ein bis zwei Sternbilder entfernt. Zum Zeitpunkt der unteren Konjunktion, wenn sie uns "auf der Innenbahn" überholt, dreht sie für ein paar Wochen eine kleine Schleife rückwärts am Firmament und wird vom Abend- zum Morgenstern. Zum Zeitpunkt der oberen Konjunktion verschwindet sie für einige Wochen hinter der Sonne und wird wieder zum Abendstern. In ihrem größten Glanz steht die Venus rund einen Monat vor oder nach der unteren Konjunktion: Jetzt ist sie am hellsten, da sie nahe der Erde steht, ihre Sichel aber noch nicht zu dünn ist.

Phasen der Venus - Planet in Sichelform

Abnehmende Sichel der Venus

Schon mit einem kleinen Fernrohr könnt ihr die Phasen der Venus beobachten. Besonders schön ist der Anblick kurz vor oder nach der unteren Konjunktion: Die Sichel wird so dünn und fein, dass ihre Spitzen übergreifen - die "Venushörner" tauchen auf. Auch während der unteren Konjunktion könnt ihr die Venus manchmal beobachten:

Gelegentlich steht die Venus dabei genau zwischen Erde und Sonne und wandert als kleines, schwarzes Scheibchen vor der Sonne vorbei - ein Venustransit. Doch da die Venusbahn um 3,4 Grad zur Bahn der Erde geneigt ist, zieht die Venus meist unter- oder oberhalb an der Sonne vorbei - mit einem Winkelabstand bis zu neun Grad.

Doch Vorsicht: Blickt niemals direkt in die Sonne! Am besten beobachtet ihr den Durchgang aus dem Schatten eines Gebäudes heraus.

Abendstern für ein Dreivierteljahr

Für einen Umlauf um die Sonne braucht die Venus nur 0,61 Erdjahre - sie überholt uns etwa alle 19 Monate. Alle 584 Tage nimmt sie wieder die gleiche Stellung zu Erde und Sonne ein - sei es eine der Konjunktionen oder größten Elongationen. Die Venus ist also immer nur alle eineinhalb Jahre Abendstern - dann allerdings fast neun Monate lang.

Venus am aktuellen Sternenhimmel

Wichtigste Daten der Venusbahn
größte östl. Elongation,
Venus am Abendhimmel
Untere Konjunktion,
zw. Erde und Sonne
größte westl. Elongation,
Venus am Morgenhimmel
Obere Konjunktion,
hinter der Sonne
29.10.21: 47,0°09.01.2220.03.22: 46,6°22.10.22
04.06.23: 45,4°13.08.2324.10.23: 46,4°04.06.24
10.01.25: 47,2°23.03.2501.06.25: 45,9°06.01.26
15.08.26: 45,9°24.10.2603.01.27: 47,0°12.08.27

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